Yamaha XJ6 Diversion

Erste Ausfahrt mit der neuen XJ6 und der Diversion. Coole XJ6, praktische Diversion.

Yamaha XJ6 und Yamaha XJ6 Diversion

Yamaha XJ6 2009

Von wegen Pausenfüller! Eigentlich waren wir wegen der neuen Yamaha R1 ins sommerliche Australien gekommen, doch erst morgen stehen unsere Rennstrecken-Sessions in Eastern-Creak am Programm. Nun haben wir schon mehr als 100km im Sattel der neuen XJ6 abgespult, einen mächtigen Burger eingeworfen und befinden uns mitten in einer überdimensionalen Hochschaubahn. Ca. 50km lang windet sich die fast unbefahrene Strasse hier ins Hügelland nördlich von Sydney und die XJ6 sowie die Diversion entpuppten sich als Freudenspender. Die Kurven vertrugen problemlos 150 km/h und die XJ6 ebenso. Der Asphalt war nicht immer makellos, doch das komfortable Fahrwerk behütete uns vor Qualen aber auch vor Stress im Sattel.

Auch die ansonsten von Leistung verwöhnten Supersport-Journalisten wurden wieder einmal daran erinnert, wie viel Spaß die 80PS Liga so bereitet.

XJ6 Historie

Es war nicht einfach in den letzten Jahren den Überblick zu behalten. Aus der ehemaligen Fazer 600 wurde eine FZ6. Diese FZ6 gab es dann als nackte "N" und als halbverkleidete "S" Variante. Die Maschinen hatten rund 100 PS und die FZ6 war vergleichbar mit Hondas Hornet oder mit Suzukis GSR 600. Danach tauchte die FZ6 Spec II in den Preislisten auf. Deutlich teurer als die normalen FZ6 Modelle, ebenfalls mit rund 100 PS und hochwertigeren Details und ebenfalls as "N" und "S" Variante. Die herkömmliche FZ6 blieb im Programm, hatte zwar nur mehr 78 PS, ließ sich aber problemlos auf 100 PS entdrosseln. Die FZ6 sollte ein Gegenstück zur Bandit von Suzuki oder zur erfolgreichen CBF 600 von Honda werden. In Österreich wirbelte die FZ6 mit einem Kampfpreis von 5.990 Euro den Gebrauchtmarkt wie auch die Zulassungszahlen gehörig durcheinander. Doch die FZ6 begeisterte nicht restlos. Der Motor mit sportlichern Genen wurde einfach nur in Sachen Spitzenleistung kastriert, die Drehmomentkurve aber nicht an die Bedürfnisse eines Sporttourers angepasst.

Scheinbar waren es ein paar altgediente Yamaha-Mitarbeiter, die sich an die beliebten XJ Modelle zurückerinnern konnten. Die XJ gab es mal mit Motoren zwischen 500 und 900 ccm. Diese Motorräder waren niemals die stärksten ihrer Klasse, aber trotzdem sehr beliebt. Sie waren einfach zu fahren und zählten zu den zuverlässigsten Motorrädern überhaupt. Immer wieder tauchen Modelle mit über 100.000 km in der 1000PS Gebrauchtbörse auf.

Dieses Jahr bringt Yamaha eine neue XJ6 und eine XJ6 Diversion. Beide Motorräder werden von einem 600ccm Motor angetrieben. Als Basis dient zwar wieder der bekannte Fazer Motor mit 78 PS, vor allem der Zylinderkopf wurde aber gründlich überarbeitet und auf die Bedürfnisse der XJ-Käufer angepasst. Es stehen mit der XJ6 nun ein cooles Nakedbike und mit der XJ6 Diversion ein universeller Sporttourer zur Verfügung. Beide Motorräder werden auch mit ABS Bremssystemen angeboten. Nach wie vor weiter im Programm, quasi als nackte sportliche Speerspitze, hat Yamaha die FZ6-Spec II Modelle mit 98 PS und sportlicherer Ausstattung.

Yamaha XJ6 2009

Gut, dass bei Yamaha 08/15 Bikes wie die Diversion beim Design trotzdem nach mehr als 08/15 aussehen.

Die Technik

Der Motor stammt grundsätzlich aus der FZ6, auch das Bohrungs-Hubverhältnis blieb gleich. Ansonsten sind alle wesentlichen Komponenten aber neu. Zylinderkopf, Kurbelwelle, Einlass- und Auslassystem sowie Kupplung und Schaltung wurden angepasst. Bei den Nockenwellen wurde der Ventilhub geändert, Zylinder und oberes Kurbelgehäuse sind einteilig ausgelegt. Wie auch bei den sportlichen R1 und R6 Modellen sind die Kolben aus geschmiedetem Aluminium. Auch bei der Elektronik wurde aufgerüstet. Die Einspritzanlage hat eine neue Software und sensiblere Sensoren. Gut gelungen ist auch der neue Schalldämpfer. Dezent unterm Motor versteckt, hatten die Designer viel Platz für Schadstoff- und Lärmreduktion.

Nicht zufrieden waren die Yamaha Techniker mit der bisherigen Schaltung samt Kupplung. Von außen merkt man nicht viel, doch der Ausrückmechanismus ist nun innenliegend und auch der Schaltmechanismus wurde verfeinert. Insgesamt sind sämtliche Bedienelemente der XJ6 nun absolut Stadt- und Anfängertauglich.

Unspektakulär präsentiert sich das Chassis. Konventionelle Gabel, Monocross Federbein, spartanische Schwinge und Stahlrohrrahmen. Auch die Chassis-Abmessungen kommen ohne spektakuläre Werte aus. Man fühlt sich schnell wohl auf der XJ6, beinahe egal wie groß man ist. Yamaha positioniert das Motorrad in der Mitteklasse und da ist kein Platz für Alurahmen, Upsidedown und voll einstellbarem Fahrwerk. Viel Spaß hatten wir aber trotzdem auch auf den flotten Streckenteilen. Die XJ6 blieb stabil, was bei früheren Einsteigermotorräder nicht selbstverständlich war. Die Dämpferelemente sind komfortabel und für den flotten Solobetrieb ausreichend dimensioniert.

Die XJ6 protzt also nicht mit Hightech-Werten wie R6 oder R1 sondern ist ein normales Motorrad für normale Motorradfahrer an dem man fast nichts vermisst. Eine Ganganzeige wäre noch nett gewesen, besonders in Hinblick auf die Einsteigertauglichkeit.  

Yamaha XJ6 2009
 

XJ6 im Praxistest

XJ6 Prospekt verspricht.. Check Kommentar NastyNils
Kräftige und gleichmäßige Drehmomententwicklung bei niedrigen und mittleren Drehzahlen. 75% Bei 600 ccm von kräftiger Drehmomententwicklung zu sprechen ist natürlich Ansichtssache. Tatsache ist, dass der Motor auch bei niedrigen Drehzahlen mehr Spaß als der Fazer Motor macht. Richtig Schmalz hat der Motor zwar erst ab ca. 6.500 U/min, doch auch darunter verhungert man nicht wirklich. Die Gegner mit den Zweizylindern wie BMW F 800 oder auch die Kawasaki ER6 fühlen sich unten etwas druckvoller an, haben aber natürlich nicht diesen seidenweichen und leisen Motorlauf.
Fahrerfreundliche Leistungscharakteristik 100% Die Motorabstimmung hat Yamaha makellos hingekriegt. Auch in engen Spitzkehren kann man ganz exakt dosieren. Beim Wechsel vom Last- in den Schiebebetrieb macht der Motor keinen Rucker. Was für Anfänger natürlich perfekt ist und auch den Profi nicht stört.
Neue und leichtgängige Kupplung 100% Ein Detail an dem man sieht wie ernst es Yamaha meint. Man hätte im Prinzip alles so lassen können wie es ist, die alte Kupplung der Fazer war auch nicht schlecht. Doch nun ist sie noch einfacher zu bedienen. Absolut Einsteigertauglich!
Überarbeiteter Schaltmechanismus für weiche und leichte Gangwechsel 100% Auch hier hat Yamaha nicht gespart und den sportlichen Motor angepasst. Die Gangwechsel gelingen einfach, die Gänge rasten immer exakt ein.
Der neue Rahmen liefert spielerische Handlingeigenschaften, gepaart mit einer beeindruckenden Fahrstabilität. 100% Anders als früher bedeutet billiger Stahlrohrrahmen nicht auch gleich billiges Fahrverhalten. Wir fuhren auch schnelle Kurven sehr stabil und beim Handling enttäuschte die XJ6 unsere Erwartungen nicht. Die Nackte wirkt durch das etwas geringere Gewicht nicht nur optisch noch ein wenig handlicher. Was vor allem in engen Wechselkurven sehr viel Spaß macht.
Zwei der wichtigsten Design-Komponenten sind der minimalistische Stahlrohrrahmen und die schlanke Schwinge. 50% Die XJ6 ist ein günstiges Allroundmotorrad und in vielen Bereichen ist es Yamaha gelungen, dass man dem Motorrad die kostengünstige Fertigung nicht ansieht. Bei der Schwinge und der hinteren Achsaufnahme gelang das aber nicht. Das trübt den insgesamt optisch sehr hochwertigen Eindruck ein wenig.
Schlanker, sechseckiger Tank bietet guten Sitzkomfort und Knieschluss 100% In der Tat war die eintägige Ausfahrt mit der XJ6 und auch der Diversion in Sachen Komfort eine Wohltat. In den engen Abschnitten hatte man durch den guten Knieschluss ein sehr direktes Gefühl für das Motorrad und auf langen Etappen war immer eine sehr entspannte Sitzposition möglich.
Gabel mit 41 Millimeter starken Standrohren, die neben hoher Stabilität ausgezeichnete Dämpfungseigenschaften aufweist. 75% Die XJ6 ist nicht anders wie die anderen Japaner in der Mittelklasse. Das Fahrwerk arbeitet brav und bringt den Piloten nicht in brenzlige Situationen. Für schwere Fahrer oder bei Reisen mit Sozia bietet das Fahrwerk aber zu wenig Reserven. Mein Gefühl sagt mir, dass bei der Gabel die Grenzen später erreicht werden als beim hinteren Federbein.
Zeitloses und faszinierendes Design 100% Die XJ6 trifft glaube ich den Geschmack vieler Motorradfahrer. Nicht ganz so nüchtern wie die CBF 600 aber auch nicht zu gewagt um konservative Piloten zu erschrecken. Die nackte Version gibt es fürs junge Publikum auch in kräftigem Gelb und modernem weiß, die Diversion kommt in etwas dezenteren Farbtönen in den Handel.
Yamaha XJ6 2009

Der nackte Ableger, die XJ6, sieht in gelb nicht nur flott aus - sie fährt auch so.

Die Unterschiede - Diversion / XJ6

Wer die technischen Daten studiert, könnte meinen die Motorräder sind fast identisch. Doch ein wenig Farbe und ein gutes Windschild machen einen großen Unterschied aus. Die XJ wirkt trotz gemeinsamer Basis deutlich jünger und aggressiver. Ein Mittelkassemotorrad mit dem man sich auf keinen Fall mittelklassig fühlt. Bis auf die Schwinge wirkt das Motorrad recht hochwertig und cool. Das Motorrad fährt sich ein klein wenig handlicher als die Diversion.

Die XJ6 Diversion bietet zusätzlich zur Halbschale auch noch einen Hauptständer. Insgesamt macht sie einen gediegenen Eindruck. Die Farben stehen ihr gut und auch längeren Touren steht nichts im Wege. Der Fahrkomfort ist durch den Windschutz natürlich höher als auf der XJ6. Zu Tragen kommt das besonders bei höheren Geschwindigkeiten.

Yamaha XJ6 2009 Yamaha XJ6 2009
Die XJ6 ist ein quirliges Nakedbike für den Weg zur Arbeit, den Großstadtdschungel und nette Ausfahrten. Anderes Design, Hauptständer und Halbschale machen aus dem Naked Bike ein echt gutes Tourenmotorrad.
Yamaha XJ6 2009
Wheelyübungen in der Großstadt sind mit der XJ6 kein Problem. Im 1. Gang schaffen es auch Anfänger, beim Schalten in den 2er ist jedoch gutes Timing nötig.
Yamaha XJ6 2009

Die Tour muss euch nicht wie uns bis nach Australien führen, doch weite Touren machen mit der XJ6 Diversion sehr viel Spaß.

Yamaha XJ6 2009 Yamaha XJ6 2009
Anders als bei der alten XJ 600 aus den 90ern, sieht die XJ6 nicht wie ein Schnorrereisen aus. Im Mitteklasse-Vergleich zu Bandit und CBF macht die Diversion optisch den modernsten Eindruck.
 

Slideshow - Diversion / XJ6

Zum Starten der Slideshow auf das Bild klicken.

 

Technische Daten

  XJ6 XJ6 Diversion
MOTOR    
Bauart Flüssigkeitsgekühlter 4-Zylinder-4-Takt, Einspritzanlage, Katalysator, 4 Ventile / Zylinder
Hubraum 600 ccm
Bohrung x Hub 65.5 x 44.5 mm
Verdichtung 12.2:1
Nennleistung 57 kW (78 PS) @ 10.000 /min. - auch als 25kW Version erhältlich
Max. Drehmoment 59.7 Nm @ 8,500 /min.
Schmierung Nasssumpf
Gemischaufbereitung Einspritzanlage
Kupplung Mehrscheiben-Ölbadkupplung
Zündung Digitale Transistor-Kennfeldzündung
Starter Elektro
Getriebe 6-Gang
Sekundärantrieb Kette
Primärübersetzung 1.955
Sekundärübersetzung 46/16, 2.875
Gangstufen 2.846,1.947,1.556,1.333,1.190,1.083

CHASSIS

Rahmen Stahlrohrrahmen
Federung vorn 41 mm Telegabel
Federung vorn 130 mm
Federung hinten Zentralfederbein
Federweg hinten 130 mm
Nachlaufwinkel 26º
Nachlauf 103.5 mm
Bremse vorn 2 Scheiben 298 mm Ø
Bremse hinten 1 Scheibe 245 mm Ø
Reifen vorn 120/70 ZR17MC (58W)
Reifen hinten 160/60 ZR17MC (69W)

ABMESSUNGEN

Länge 2.120 mm
Breite 770 mm
Höhe 1.085 mm 1.210 mm
Sitzhöhe 785 mm
Radstand 1.440 mm
Bodenfreiheit 140 mm
Gewicht 205 kg vollgetankt 211 kg vollgetankt
Tankinhalt 17.3 Liter
Öltankinhalt 3.4 Liter
Preis Österreich: 6.999 Euro (ABS + 900 Euro) 7.499 Euro (ABS + 900 Euro)
Bericht von nastynils am 29.01.2009 Aufrufe: 95.723
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