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Unglaublich: 4.999 Euro?
Ich konnte es kaum glauben, als ein TGB 425 erstmals auf der örtlichen
Tankstelle auftauchte. So ein riesen Monster kostet nagelneu mit
Garantie, Gewährleistung zulassungsfähig nur 4.999 Euro? Muss ein irres
Klumpert sein, war der nächste Gedanke. Denn ich bin schon andere ATVs
ums doppelte bis dreifache Geld gefahren und rein optisch wirkte die
Blade genauso groß und mächtig. Ein Test muss klären!
Wesentlich für mich beim Thema Quad, Roller und
Motorrad: Wo kann ich das Fahrzeug kaufen, wer kann es mir warten und
reparieren und wo kann ich Gewährleistungsansprüche geltend machen. Es
gibt noch billigere Quads am Markt. Besser gesagt im Baumarkt. Immer
wieder mal landet ein Container voller Fahrzeuge aus China in der einen
oder anderen Baumarktkette und wird mittels Flugblatt unters Volk
gebracht. Ein Blick in diverse Foren macht aber schnell klar - schon bei
der kleinsten Ersatzteilbestellung gibt es gewaltiges
Frustrationspotential. Bei manchen Fahrzeugen ist es schon im ersten
Jahr fast unmöglich Ersatzteile zu bekommen. Das nächste Dilemma wartet
dann bei der ersten Reparatur. Im Baumarkt wird zwar verkauft aber nicht
geschraubt und in Fachwerkstätten freut man sich natürlich besonders,
wenn Kunden mit exotischen Baumarktmaschinen vor der Werkstatt stehen.
Man hat so entweder das Problem, dass man keine Firma findet die
Reparaturarbeiten übernimmt oder man legt kräftig Deppensteuer ab.
Zuverlässiges Händlernetz
Den Import für ATVs von TGB übernimmt die
Wolfsberger Leep Gruppe. Im Kärntner Stammsitz arbeiten 50 Mitarbeiter
und kümmern sich um den Import von Rollern, Mopeds und Quads aus Asien.
Im Fall von TGB sprechen wir von einem Produkt aus Taiwan. Wenn man
Insidern glauben schenken darf, steht Taiwan in der Qualitätshierarchie
oberhalb von China. Verkauft wird das Produkt auch nicht über Baumärkte
sondern über viele kleine aber interessierte Fachhandelsbetriebe. Damit
kann man zwar über Nacht einen ganzen Container verkaufen, aber man hat
auf lange Sicht treue Partner bei der Betreuung der Kunden. Die Händler
sind zum Teil Motorradhändler, aber auch einige echte Quadspezialisten
sind mit dabei. Landmaschinenhändler sind eher in der Unterzahl, wobei
das Quad thematisch auch dort gut hinpassen könnte. Servicearbeiten oder
Ersatzteile kann man dann beim gleichen Händler beziehen oder aber auch
bei einem anderen der rund 20 Vertragspartner in Österreich bzw. 66
Händler in Deutschland. Laut Feedback von Händlern gab es bisher keine
häufigen Garantiefälle und die Ersatzteilversorgung durch die Fa. Leeb
funktioniert tadellos.
Wichtig für ein sorgenfreies ATV-Leben:
Kardanantrieb!
Beim Test muss jedes ATV unser Standardprogramm
durchlaufen. Das lautet: Schotter, Wasserdurchfahrten, steile
Bergaufpassagen, steile Bergabpassagen, schnelle Buckelpisten,
alltägliche Strecken auf Asphalt und knifflige Strecken im Unterholz
beim Schwammerlsuchen. Schnell war klar, dass mein erster Gedanke nicht
ganz richtig war. Von wegen billiges Klumpert! Die Hausstrecke ist so
steil, dass ich sie bei feuchten Bedingungen mit der Enduro nur mit
körperlichen Qualen schaffe. Das TGB Blade ATV zieht mit dem
Untersetzungsgetriebe den steilen Berg problemlos nach oben. Wurzeln,
Steinbrocken und dicke Äste wirken auf den ersten Blick bedrohlich,
verschwinden aber problemlos unter dem mächtigen Mahlwerk der Räder. Als
nächstes wird die lange Bachdurchfahrt in Angriff genommen. Waldweg und
Bach verschwinden hier zu einem gemeinsamen Ganzen und nach Regenfällen
machen hier vorsichtige Typen auch mit dicken 4x4 Geländewägen eine
Kehrtwendung. Mehrere hundert Meter lang pflüge ich mit dem TGB durch
das Gemisch aus Wasser, Schlamm und Kies. Dieses Gemisch ist gnadenlos
und kriecht in alle Ritzen der Maschine. Nach dieser Durchfahrt hätte
man bei Geräten mit Kettenantrieb das erste Mal eine gründliche
Reinigung vornehmen müssen, mit dem wartungsfreien Kardanantrieb bleibt
mir das erspart. Kein Problem haben auch die Scheibenbremsen mit den
nassen Bedingungen. Generell war ich mit der Leistung der Bremse sehr
zufrieden, bei steilen Bergabfahrten jedoch bremste ich zusätzlich mit
dem Untersetzungsgetriebe. Motorradfahrer unterschätzen in solchen
Situationen oftmals das hohe Fahrzeuggewicht (ein dickes ATV ist mehr
als doppelt so schwer wie eine Enduro) und bremsen erst im nächsten
Busch.
Insgesamt war das ATV ein grandioser Begleiter
beim Schwammerlsuchen. Das TGB kann mit Handbremse in jede Lebenslage
geparkt werden und auch aus jeder Lebenslage wieder in Fahrt gesetzt
werden. Egal ob noch vorne oder nach hinten, denn anders als bei
Sportquads, gibt es hier natürlich auch einen Rückwärtsgang.
Der Motor hat 403 ccm und leistet ungedrosselt
20kW. Im Gelände ist man damit bestens versorgt, unangenehm wird es
jedoch auf den schnellen Verbindungsetappen. Dort läuft der Motor über
das automatische Getriebe bei sehr hoher Drehzahl um das dicke Quad auf
Geschwindigkeit zu kriegen. Der Auspuff ist in der offenen Variante sehr
laut und so sind lange schnelle Fahrten ohne Ohrenstöpsel keine
empfehlenswerte Angelegenheit. Auch gegenüber Anrainern und
Spaziergängern wäre ein leiserer Auftritt angenehmer gewesen. Eine harte
Prüfung fürs Fahrwerk sind schnelle Passagen auf holprigem Gelände. Der
Regen hat tiefe Furchen gegraben und faustdicke Steine pflastern den
Weg. Hinter dem ATV spielt sich ein wahres Inferno ab. Steinbrocken
fliegen durch die Luft, lautes Gedröhne erschüttert die Sträucher. Das
ATV bleibt tapfer auf Kurs doch im Sattel wird es bei hoher
Geschwindigkeit etwas ungemütlich. Sportlichere Quads mit teurerem
Fahrwerk können hier ein höheres Tempo gehen eh am im Sattel Angst
bekommt.
Kein Autoersatz!
Um Missverständnissen vorzubeugen: Dieses ATV
kann zwar viel, wird aber ein Auto oder auch Motorrad nicht ersetzen.
Auf längeren Strecken sind sowohl Auto als auch Motorrad deutlich
komfortabler. Reisegeschwindigkeiten von über 90km/h machen auf Quads
nur kurzfristig Spaß. Etwas besser wird es mit Strassenreifen und härter
abgestimmten Fahrwerken, aber auch dann wird daraus kein Fahrzeug für
den täglichen 30-40km Ritt in die Arbeit.
Das beste Preis / Leistungsverhältnis!
Vier Wochen stand die TGB im Einsatz und musste
wie alle anderen Testfahrzeuge auch ohne Wartung und Pflege auskommen.
Abnützungserscheinungen zeigten im Ansatz nur die Reifen, sowie die
Schotterzufahrt zur Garage. Kein Schraube wurde locker, und kein Lamperl
ließ mich im Stich. Der Motor sprang bei allen Temperaturen immer an und
die Kombination Anlasser / Batterie startete beim Schwammerlsuchen
unzählige Male ohne Ermüdungserscheinungen. Für mich ist klar: In Sachen
Preis / Leistungsverhältnis gibt es kein besseres ATV am Markt.
Eigentlich unglaublich, dass ein solch riesiges Fahrzeug um so wenig
Geld zu haben ist. Man bekommt für relativ wenig Geld viel Spaß und auch
einen hohen Nutzwert geliefert. Denn das ATV kommt serienmäßig mit
Extras wie abnehmbarer Anhängerkupplung und großem Gepäckträger. Das
Blade gibt es auch in einer 4x4 Variante. Dann kostet sie allerdings
6.999 Euro und kommt mit serienmäßiger Seilwinde. In dieser Kombination
gibt es im Prinzip keinen Weg mehr, der nicht bezwingbar wäre. Aber
offen gesagt, reicht die 4x2 Variante für so ziemlich jedes Gelände in
das sich selbst mutige Piloten wagen. Sinnvoll wird die 4x4 Variante im
winterlich alpinen Gelände. Als Lastentier für die Berghütte sollte man
die 2.000 Euro extra einkalkulieren - dann ist man auf der sicheren
Seite. Nicht uneingeschränkt empfehlen kann ich die 250er Version. Diese
kostet 1000 Euro, dafür hat sie aber einen Kettenantrieb und einen
deutlich schwächeren Motor. Wenn es die Finanzen zulassen, würde ich auf
alle Fälle zum deutlich hochwertigeren 425er greifen.
Okkasion für Unternehmer
Zur echten Okkasion wird das TGB ATV für
Unternehmer. Finanzbeamte haben sich mittlerweile an den Anblick der
ATVs gewohnt und akzeptieren das Fahrzeug als Betriebsausgabe für
Hüttenwirte, Landwirte, Bauunternehmer und ähnliche Betriebe. |