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Aufgefallen ist die DN-01 zum ersten Mal
auf der Tokyo Motorshow 2005. Da war sie erstmals als Concept-Bike
zu sehen: Ein Cruiser, irgendwo zwischen Gold Wing und Rune angesiedelt,
mit futuristischem Design: langgestreckt, niedrig, mit langer und
flacher Nase. Mit einer Besonderheit, die man dem Ding von außen nicht
ansieht: einem Automatik-Getriebe. Denn was liegt näher, als
entspanntes Cruisen durch den Faktor Schaltfreiheit noch einmal
entspannender zu gestalten, vor allem für nicht oder noch wenig
Motorrad-Versierte Einstiegs- oder auch Umstiegs-Kandidaten. Dass es
sich nicht um eine wie bei Rollern übliche Variomatik oder ein
CVT-Getriebe handeln würde, war damals schon klar. Das Entwicklungsziel
war, innovatives Design, Motorrad-Feeling und Roller-Komfort, sprich
einfache Handhabung, unter einen Hut zu bringen.
Zwei Jahre später im vergangenen Herbst, sah man die DN-01 zum
ersten Mal öffentlich in Fahrt. Zwar rollte sie nur kurz auf die Bühne
der Mailänder Motorradmesse, aber da wussten es endgültig alle: sie
fährt doch. Denn einige hatten in Zweifel gezogen, ob „die überhaupt
kommen wird“. Wir wissen es jetzt. Wirklich. Denn wir sind sie schon
gefahren.
Und das ging ganz einfach. Draufsetzen, Aufrichten – der
Seitenständer ist genau richtig mittig und für alle Beinlängen gut
erreichbar postiert -, Zündung aufdrehen, Starten. Das Säuseln des V2
klingt nach Deauville, weniger nach Transalp, obwohl es das gleiche 680
ccm-Aggregat ist. Allerdings ist es in der DN-01 auf 61 PS Leistung
reduziert. Wir geben einmal kurz Gas. Am Stand. Was ausbleibt, ist der
Vorwärtsdrang wie bei anderen Automatik-Systemen. Intelligenterweise ist
die Honda-Automatik nach dem Starten immer im Leerlauf.
Um den Vorwärtstrieb zu aktivieren muss
man erst den entsprechenden Schalter von „N“ auf „D“ = Drive stellen.
Das ist wohl auch ein Teil des menschenfreundlichen Antriebs. Der heißt
nämlich HFT, was für „Human Friendly Transmission“ steht.
Dabei handelt es sich um eine völlig neuartige Konstruktion, ein
mechanisch-hydraulisches System, das unter anderem den Vorteil kompakter
Abmessungen sowie Emissions- und Verbrauchs-Bescheidenheit bietet
(leider ist es bei den heutigen Spritpreisen auch nicht mehr ganz
wurscht, wie viel ein Bike schluckt). Die Konstruktion des
menschenfreundlichen Antriebs im Honda-Originalton: „Die
HFT-Automatik besteht aus einer Hydraulikpumpe zur Umsetzung der
Motorleistung in Hydraulikdruck und einem Hydraulikmotor zur
Rückumwandlung des Hydraulikdrucks in Antriebsleistung.“ Das stufenlose
Getriebe überträgt die Kräfte über eine mechanisch-hydraulische
Konstruktion. Am Getriebeeingang wandelt eine Hydraulikpumpe die Energie
in Öldruck um. Ausgangsseitig steuert ein Elektromotor die
Winkelstellung einer variablen Taumelscheibe, die den Hub der dem
Öldruck ausgesetzten Kolben und damit die Übersetzung stufenlos
variiert. Wenigstens die Kraftübertragung ans Hinterrad ist vertraut.
Die erfolgt via Kardan.
In der Praxis fühlt sich die kompliziert erscheinende technische Lösung
watscheneinfach an. Im Fahrmodus „Drive“ am Quirl drehen genügt für
respektablen Vortrieb. Will man’s etwas temperamentvoller, wählt man –
per Knopfdruck – den „S“ = Sport-Modus.
Oder tippt sich mit den linken Finger, ebenfalls per Knopfdruck (am
linken Lenkerende) durch sechs Gangstufen. Das ist nett beim Überholen.
Aber beim gemütlichen Durch-das-Land-und-die-Ortschaften-Cruisen kehrt
man schnell zum vollautomatischen Modus zurück. Wenn schon, denn schon.
Nebenbei bemerkt: Wer schon öfter Roller gefahren ist, dem geht der
fehlende Kupplungshebel nicht ab. Zumal die Automatik gut zum Charakter
des Cruisers passt. Der sich übrigens gar nicht wie ein Roller anfühlt.
Der Motor spricht fein an, die Automatik arbeitet absolut ruckfrei. Die
gebotene Leistung reicht für diese Motorrad-Bauart recht gut aus, aber
auf Steigungen und beim Überholen wünscht man sich doch die eine oder
andere Pferdestärke mehr. Sehr fein sind die Bremsen. Serienmäßig wird
die DN-01 mit CBS inklusive ABS ausgeliefert.
Was auf den ersten Metern auch sofort auffällt, ist die sehr gute
Ergonomie. Man sitzt entspannt aufrecht, lümmelt am gerade richtig
breiten Lenker, die Trittbretter sind nicht zu weit vorne, der Popo ruht
satt auf dem breiten und niedrigen Sattel. Dank bodennaher Sitzhöhe und
niedrigem Schwerpunkt sowie superber Ausgewogenheit sollten auch
Anfänger kaum ins Geigeln kommen. Erstaunlich ist, wie easy die lange
und mit 270 Kilo doch recht gewichtige Fuhre agil um die Ecken schwingt.
Sie fühlt sich nicht schwer an. Der Wendkreis ist allerdings angesichts
des 1.605-Meter-Radstands nicht gerade der kürzeste- „auf einem
Taschentuch umdrehen kann man damit nicht“, bringt es einer der
Honda-Techniker auf den Punkt. Immerhin steht die DN-01 vorne auf einem
130er- hinten auf einem 190er-Gummi. Trotzdem ist das Dirigieren durch
Kolonnen-Lücken kein Mirakel. Rückblickend war die erste Annäherung an
die DN-01 als Automatik-Bike jedenfalls weniger skeptisch ausgefallen,
als bei einem andere automatisch angetriebenen Modell italienischer
Herkunft, das im Spätherbst 2007 vorgestellt worden war. Wohl murmelten
einige so etwas wie „ist das jetzt ein Cruiser oder ein Roller?“ in ihre
Bärte, aber es überwog die Ansicht: „Fahr ma amal und dann werd ma schon
sehn“.
Von wegen sehen: Optisch ist sie ganz nah am Prototypen
geblieben, mit dem in sich geschlossenen, auf geduckte, imposante Länge
ausgerichteten Design, dem abgestuften, niedrigen Sattel und den
ausladenden, körpernah positionierten Lenkerhälften – wie aus einem
Guss. Die Front mit den schrägen Scheinwerfern lässt die Verwandtschaft
zum VIerrad-Bruder Civic erahnen. Das Heck ziert eine LED-Lichtleiste
mit integrierten Blinkern. Der verchromte Auspufftopf ist dick und lang.
Der Sound daraus dezent-verhalten. Bemerkenswert ist die eine der beiden
zur Wahl stehenden Farbe: „Pearl Amethyst Purple“. Sehr elegant. Alle
summten „Purple Rain“ dazu. Als Alternative gibt’s „Graphite Black“. Das
ist auch schön, aber nicht so eindrucksvoll.
Auf jeden Fall hinterließen wir auf der ersten Testrunde am Lago
di Como bleibenden Eindruck. Von Moltrasio – das ist dort einer der
weniger bekannten Orte, George Clooney haben wir nicht getroffen –
ging’s nordwärts immer am See entlang. Nach einem Abstecher ins
Gebirgige (ein paar Kehren mussten wir ja auch unter die Räder nehmen)
rollten wir über Colico nach Varenna, von dort per Fähre wieder ans
andere Ufer, bei Menàggio, und retour nach Moltrasio. Mit Kaffee-, Foto-
und Essenspausen. In denen wir jeweils flugs von Neugierigen umringt und
mit mehr oder weniger kompetenten Fragen bombardiert wurden (die
Italiener hatten Zeit. Es war Sonntag).
Bei einigen war offenbar nicht auf Anhieb rübergekommen, dass es sich
bei der DN-01 um einen Cruiser und nicht um einen Roller handelt. Denn
einer der Neugierigen wollte wissen, ob er unterm Heck einen Helm
verstauen kann. Das geht nun wahrlich nicht, unter dem breithüftigen
Popo ist null Stauraum. Dafür ist sowohl in der ersten als auch in der
zweiten Reihe kommoder Sitzraum auf dem kernig gepolsterten,
breitflächigen Sattel. Wirklich bequem. Und echt lässig. |
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| Motorbauart |
2-Zylinder,
4-Takt-Motor, V 52° |
| Hubraum |
680 ccm |
| Bohrung x Hub |
81 x 66 mm |
| Leistung |
45 kW (61 PS) bei
7.500 U/min |
| Max. Drehmoment |
64 Nm bei 6.000 U/min |
| Kompression |
10,0:1 |
| Starter / Batterie |
E-Starter / 12V 12 Ah |
| Getriebe |
stufenlose Automatik
mit Tipp-Funktion |
| Gemischaufbereitung |
PGM-FI-Kraftstoffeinspritzung (Drosselklappe 36 mm) |
| Steuerung |
4 V / OHC |
| Sekundärtrieb |
Kardan |
| Kühlung |
Flüssigkeit |
| Rahmen/Schwinge |
Stahl-Doppelschleife,
Alu-Einarmschwinge
zweiteilig |
| Kupplung |
Hydraulisch, HFT
(Human Friendly Transmission) |
| Federung vorne |
Telegabel, 41 mm -
voll einstellbar |
| Federung hinten |
Zentralfederbein,
7-fach einstellbar in Vorspannung |
| Federweg vorne /
hinten |
106 / 120 mm |
| Bremse vorne |
2 x 296 mm-Scheiben,
schwimmend, Dreikolbensättel, Combined ABS |
| Bremse hinten |
276-Scheibe,
Zweikolbensattel, Combined ABS |
| Felgen, vorne / hinten |
3,5 x 17"; 6,0 x 17",
Alu-Gussräder |
| Bereifung vorne /
hinten |
130/70 ZR 17; 190/50
ZR 17 |
| Enddämpfer |
Stahl, 2-in-1, mit
geregeltem Dreiwege-Katalysator |
| Lenkkopfwinkel |
28° 30’ |
| Nachlauf |
114 mm |
| Radstand |
1.605 mm |
| Bodenfreiheit |
135 mm |
| Sitzhöhe |
690 mm |
| Länge/Breite/Höhe |
2.315/820/1.115 mm |
| Tankinhalt |
15,1 Liter / 3 Liter
Reserve |
| Gewicht |
270 kg (vollgetankt) |
| Preis: |
€ 13.500,-- |
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