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Einzylinder: Nix für Angeber!
Einzylinderfan zu sein ist nicht immer leicht. Man legt
mehr Kohle auf den Tisch des KTM-Händlers als der Kollege beim Nippon-Händler
und kriegt auch noch weniger dafür. Also weniger Zylinder, weniger Leistung,
weniger Metall und insgesamt weniger Motorrad. Mit der Duke III wird sich das
nun ändern. Die Duke wirkt wie ein komplettes Motorrad und kann mit stolzer
Brust zwischen aufpolierten Ducatis und Hondas gestellt werden. Auch Passanten
außerhalb der Motorradszene, halten den Einzylinder dann nicht mehr bloß für
einen "Gatschhupfa". Wüssten wir es
nicht besser würden wir unter der orange-schwarzen Schale viel mehr als nur
einen kleinen einsamen Zylinder vermuten.
Für Yuppies und stilvolle
Winkelwerkregenten
Die neue Duke wirkt viel edler,
kompletter und hochwertiger also alle bisherigen Dukes und auch als ihre anderen
Mitstreiter in der 690er Kollektion. Wird sicherlich oft in den Parkgaragen der
Innenstadt zu finden sein. Wer sie live noch nicht gesehen hat, muss dies
unbedingt beim nächsten KTM Händler (ab März 2008) nachholen und die herrlichen
Details erforschen. Die Front ist für mich der große Wurf und der hinterm Bugspitz
platzierte Auspuff ermöglicht ein spitz zulaufendes und überaus attraktives
Heck. Technikfreaks bleiben natürlich mit den Augen an den Brembo-Bremsen
(radial verschraubt mit 4 Einzelbelägen und radialem Brembo Bremszylinder), den
Felgen (Marchesini), dem Lenker (Renthal), dem radialen Kupplungsgeberzylinder
oder bei der gegossenen Aluschwinge hängen. Wir wollen diesmal mit der
schlechten Nachricht nicht bis zum Schluss warten und präsentieren mit 9998 Euro
den Preis für die Duke III in Österreich. Wer nun beginnt mit japanischen
Nakedbikes zu vergleichen wird vermutlich auch von den vielen technischen
Vorteilen nicht zu überzeugen sein. Denn dort gibt es um weniger Geld 100 PS
anstelle von 65 Pferden bei der Duke III. Rein vom Imagefaktor her steht die
Duke III für mich aber auf einer Ebene mit einer Hypermotard oder einer
Superduke. Dann sieht der Preisvergleich schon ganz anders aus.
Unterschied muss sein: Plus 2 PS für
die Duke!
Reden wir aber nicht länger übers Image, sondern über den
Motor. Obwohl auch über den 690er Einzylinder von KTM schon viel geredet wurde.
Soweit ich weiß war sehr viel Gutes dabei und bei der neuen Duke wird es nicht
anders sein. Denn hier leistet der Motor mit 65 PS noch mal 2 PS als bei den
anderen 690er Modellen. Und dies nicht nur ganz oben sondern über den gesamten
Drehzahlbereich. Die Ursache dafür ist übrigens nicht im Motor sondern im
größeren Auspuffvolumen zu finden. Der Auspuff ist technisch und optisch
sicherlich in Zeiten von Euro 3 die optimale Lösung.
Insgesamt basiert die 690
Duke auf der 690 SM vom Vorjahr. Wie auch bei SMC und Enduro wurde jedoch eine
andere Nockenwelle montiert, eine neue Kupplung mit softeren Kupplungsfedern und
das neue elektronische Drosselklappen Management System installiert. Auch bei
der Duke hat man die Wahl zwischen 4 verschiedenen Mappings, in der Praxis wird
man davon aber sehr selten Gebrauch machen.
Unwissende und Kenner
Einzylinderfans werden wieder begeistert und Unwissende
erschüttert sein. Man wird schon sehr nachdenklich im Sattel der Duke, wenn man
mit vollem Feuer den Berg attackiert. Warum hatten meine anderen Motorräder immer
mehr als 100PS? Und warum war ich trotzdem nicht schneller? Versuchen wir den
Unwissenden einmal die Welt der Einzylinder zu erklären. Also die Duke wiegt 148
Kilo und die leichte Kurbelwelle des Einzylinders hat deutlich weniger rotierende
Massen als die lange Kurbelwelle eines japanischen Vierzylinders.
Richtungsänderungen gehen dadurch spürbar leichter vonstatten. Das geringe
Gewicht des Fahrzeuges ermöglicht wiederum leichte Räder und zum Beispiel eine
Einscheibenbremse vorne. Was wiederum die rotierenden Massen am Vorderrad und
auch die ungefederten Massen verringert. Es fließt also alles schön stimmig
zusammen und am Ende erhält man ein agiles und irrsinnig einfach zu fahrendes
Fahrzeug.
Spürbar sind die Handlingvorteile der Duke natürlich
am stärksten in schnellen Wechselkurven die unter Last genommen werden. Im Sattel der schweren
Trümmer werden die Kollegen den Gasgriff zumachen, während der Duke Pilot
zumindest mit Halbgas (ich geb es zu) bzw. mit Vollgas durch die Slalomstangen
wedelt. Ich persönlich kann im kurvigen Bergland dem Konzept der Duke III noch
mehr abgewinnen als der gestern getesteten 690 SMC. Denn die Duke wurde einzig
und allein für die Strasse gemacht, während die SMC für dieses Terrain manchmal
zu lange Federwege hat. Die Duke liegt ähnlich satt am Asphalt wie einer
Supersportler, gleichzeitig aber sitzt man aufrecht und komfortabel.
Weniger
komfortabel dann die Heimreise auf der Autobahn. Jedes Konzept hat Stärken und
Schwächen und eine Duke III bietet leider nicht jenen Windschutz wie eine 990
Adventure. Einiges gut machen kann man aber mit idealer Hinterteilplatzierung in
der schlau gestalteten Sitzbank. Dann geht einiges an Winddruck nicht direkt in
die Ärmeln sondern in den Sattel.
10.000 Euro sind nicht genug..
Beim Thema SMC fällt mir dann aber auch die Wheelerei von
gestern ein. Auch die Duke wheelt herrlich, steigt im 2er aber nicht mehr ganz
so stramm nach oben wie die SMC. Liegt an der etwas längeren Endübersetzung die
ich an der Stelle von Duke Käufern auf alle Fälle wieder etwas kürzen würde. Da
bieten sich dann natürlich solche Leckerein wie die farbigen Zahnkränze aus dem
Powerparts Katalog an. Grausam wie immer das Spiel mit dem Zubehör. Wer meint
die soeben erstandene Duke sei ein unendlich geiles Eisen, darf im Schauraum des
Händlers niemals eine voll ausgestattete Edel-Duke erkennen. Eloxierte
Alu-Teile, Akrapovic Topf und Akrapovic Carbonteile machen vor allem die weiße
Duke noch mal edler und noch mal teurer. Eigentlich sollte das unters
Suchtmittelgesetzt fallen. Die Gefahr der Beschaffungskriminalität ist hier
sicher ähnlich hoch wie bei bereits verbotenen Substanzen.
Die 690 Duke wurde mit viel Emotionen von
Motorradfreaks für Motorradfreaks entwickelt. Es sind wirklich viele kleine
Details die das Motorrad einfach ins Herz fahren lassen als einen Japaner. Liegt
auch daran, dass die Testpiloten aus Europa kommen und mit den üblichen
Proportionen eines Europäers ausgestattet sind. Härtester Gegner könnte die
englische Street Triple sein. Diese punktet mit einem tollen
Preis/Leistungsverhältnis. Doch auch dort haben die Kostenrechner den
Ingenieuren den Riegel vorgeschoben (merkt man z.B. beim Federbein). Bei der
Duke 3 sind alle Komponenten ausnahmslos auf hohem Niveau. KTM Kunden sind das
voll einstellbare und racingtaugliche WP-Zeug zwar gewohnt, Neulingen gegenüber
kann man so etwas aber nicht oft genug betonen.
Das spielerische Handling, die präzise
Straßenlage und das geringe Gewicht erfreut Rookies und Helden gleichermaßen.
Daher ist die Duke III meine Kaufempfehlung sowohl für Einsteiger,
Frauen (Sitzhöhe 865 mm, noch niedrigere Sitzbank im Zubehör erhältlich),
als auch für Angeber, Technikfreaks und Winkelwerkregenten mit Stil. |