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Dass die Shiver etwas besonders ist, spürt man schon beim
Losfahren. Laut technischem Datenblatt besitzt sie zwar einen
Zweizylinder-Motor, doch dieser fühlt sich gänzlich neu an. Der Gasgriff
wird hastig gedreht und der Motor bleibt trotzdem sanft um ruhig. Sowohl
beim Öffnen, als auch beim Schließen. Die Ride by Wire Technik ist also
nicht bloß für Umwelt und Prospekt sondern für jeden Piloten vom ersten
Moment an deutlich zu spüren.
Wohlerzogener Zweizylinder
Dieses gänzlich neue Gefühl wird viele begeistern und einige sicher
enttäuschen. Ein herzhafter Zupfer am Gasgriff bewirkt nun
keinen harten Ruck mehr der durchs Bike fährt. Die rechte Hand gibt dem
Motor nur noch das Kommando "mehr Vortrieb bitte" und den dafür
optimalen Öffnungswinkel der Drosselklappen errechnet der
Zentralcomputer. Eingefleischte V2-Fans werden erschüttert sein wie
sanft und geschmeidig der Motor am Gas hängt. Eingefleischte V2 Hasser
oder Neulinge welche mit Motorradtechnik wenig am Hut haben kommen
allerdings auf ihre Kosten. Dieser Motor funktioniert noch einfacher als
aktuelle Vierzylinder aus Japan.
Trotzdem Vortrieb
Wer nun meint der Motor wurde elektronisch kastriert liegt falsch.
Kultiviert wäre der richtige Ausdruck und in Sachen Fahrleistungen ist
und bleibt der 750er Motor ein echter V2. Er lässt sich mit angenehm
wenig Drehzahl fahren, hat eine starke Mitte und fällt bei hohen
Drehzahlen und Geschwindigkeiten hinter Vierzylinder zurück. Direkten
Vergleich gab es zwar keinen, doch ich würde sagen es bietet sich das
übliche Bild der Zweizylinder: Aus der Ecke erfreut man sich an den 81
zur Verfügung stehenden Newtonmetern an Drehmoment. Die aktuelle Honda
Hornet hat zum Beispiel 63 Nm anzubieten, die Kawasaki Z750 bietet 75
Nm. Dort wo Drehvermögen und Spitzenleistung gebraucht wird, also auf
langen Geraden, würden die Vierzylinder punkten. Aprilia bietet mit der
Shiver 95 PS an. Eine Z750 hat 106 davon zu bieten eine Hornet von Honda
liegt bei 101 PS.
Die Leistungsfrage wird also zur
Glaubensfrage, die Laufkultur ist nun jedoch keine mehr. Der Shiver
Motor legt den Makel des ruppig zu fahrenden 2-Zylinders ab und ist ohne
Probleme tauglich für Anfänger.
Keine kleine Tuono
Die angenehme Linie des Motors geht auch beim Fahrwerk weiter. Man sitzt
hier auf keiner kleinen Tuono. Die Sitzposition ist komfortabler und das
Fahrwerk weicher. In Shiver liegt viel näher bei den klassischen Naked
Bikes, während die Tuono mit ihrem Chassis stark an einen Supersportler
erinnert. Gewöhnungsprobleme sollten beim Fahrwerk weder Anfänger noch
Profis haben. Trotz des exotisch wirkenden schräg liegenden Federbeins
hat die Shiver keine Sonderheiten zu bieten. Also lineares
Einlenkverhalten, niemals kippelig und gerade agil genug für ein
Nakedbike.
Sauberes Getriebe und beinahe eine Anti-Hopping Kupplung
Guter alter Maschinenbau und ganz ohne Elektronik ist das Getriebe. Die
Gänge lassen sich butterweich schalten, rasten aber trotzdem exakt ein.
Nicht selbstverständlich ist auch die hydraulische Kupplung mit sehr
geringer Bedienkraft. Beim Runterschalten hilft übrigens die Elektronik
wieder weg. Ganz ohne Zwischengas geht es zwar nicht, doch der
Zentralcomputer hilft mit, dass man den richtigen Drosselklappenwinkel
erwischt um ruckfrei zur nächsten Kurve zu bremsen. Mit ganz
geschlossenem Gasgriff bleiben übrigens auch die Drosselklappen ganz
geschlossen und dann stempelt auch beim modernen V2 in der Aprilia vor
engen Spitzkehren das Hinterrad.
Preis in Österreich: 9.690 inklusive aller Steuern
Preis in Deutschland: 7.999 Euro inklusive Steuern, exklusive
Lieferkosten
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