Die Jahreszeit ist noch nicht bereit. Aber für die Planung ist es nie zu früh. Mit der Duke auf den Großglockner.
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Wie im Himmel. |
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Mit der Duke am Großglockner |
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Die Großglockner-Hochalpenstraße gehört zu den
Must-dos. Das kann durchaus einen ganzen Tag lang dauern. |
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Noch regiert der Winter, auf dem Pass der Pässe Österreichs kommandieren
Schnee & Eis. Bis zum Saisonstart, Anfang Mai, dauert’s noch.
Trotzdem: Touren-Planung ist jetzt angesagt, und um den Großglockner
kommt man kaum herum. |
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Pro Jahr erklimmen gut 900.000 Besucher die 48 Kilometer lange, in 36
Kehren und unzähligen Kurven sich windende, bis auf eine Höhe von 2.504
führende Hochalpenstaße, die im Vorjahr ihren 75er
gefeiert hat. Selten ist es dort ruhig & leer. Manchmal schon.
Morgens um sechs ist die Welt noch ruhig und still. Im Haus rührt sich
nichts und niemand. Der Himmel ist blau. Die noch kühle, nein,
eigentlich kalte Luft ist glasklar, verspricht jedoch einen sonnigen und
heißen Tag. Die Wiesen sind feucht vom Tau. Irgendwo kräht ein Hahn aus
vollem Halse. Fix und fertig adjustiert geht’s auf möglichst leisen
Sohlen die sanft knarzende Treppe hinunter.
Ha! Im Gastraum ist ja doch jemand. Der Herr Engl. Er hat die
Kaffeemaschine schon vorgeglüht. Das ist die Gelegenheit! Ein Espresso,
ein doppelter und kurzer. Wortlos stellt er mir die Tasse vor die Nase.
Danke! Ah! Vom Duft alleine schon läuft der Kreislauf gleich runder. Und
dann kann’s losgehen. Die Duke steht startklar vorm Haus. Die Nachbarn
werden sich bedanken, dass der Akrapovic auch leise Töne hat.
Niedertourig gehalten schnurrt die Kante durch Kötschach-Mauthen, über
den Gailbergsattel geht schon ein bissl mehr Gas, mit Bedacht, in den
Kehren ist es teils noch nass vom gestrigen Regen.
Bei Lienz wird’s langsam ein wenig wärmer. Den Iselsberg hinauf und
hinunter ist es wieder ganz schön kalt. Deshalb wohl schläft offenbar
auch noch alles. Obwohl Montag ist. In Winklern steht zumindest ein
einsamer Lieferwagen am Straßenrand. Der wird grad beladen. Mit frischem
Gebäck. Hmmm. Frühstück? Später! Knapp vor sieben Uhr schaut dem Kassier
an der Mautstelle bei Heiligenblut der Schlaf noch deutlich aus den
Augen. |
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Die B 107, auch Glocknerstraße
genannt, für von Lienz über den Iselsberg-Pass, vorbei an einem der Tore
zum Nationalpark Hohe Tauern. |
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Outfit nach der
Zwiebelschicht-Methode angelegt. |
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Er ist trotzdem freundlich. Und gesprächig. „Na, ganz schön zeitig
unterwegs!“ „Ja, weil da noch nichts los ist!“ „Recht hast eh. Aber bist
auch warm angezogen? Oben hat’s grad einmal fünf Grad.“ , amüsiert
er sich. Ein Glück gehabt, dass ich mein Outfit nach der
Zwiebelschicht-Methode angelegt habe. Einen Zwanziger reiche ich dem
freundlichen Herrn ins Kabäuschen, bekomme ein Ticket, das Restgeld
(2010 waren’s noch zwei Euro, jetzt kriegt man nur einen zurück), eine
Broschüre, einen Aufkleber dazugereicht. Dann folgt die Frage: „Willst
net a Kombi-Ticket? Da kannst auch die Nockalm und die Gerlos fahren.“
Nein, danke. Weiß ich denn jetzt schon, was ich in den nächsten Tagen
fahren werde? Außerdem: Keine Rechenübungen und Preisverhandlungen um
diese Tageszeit. Habe jetzt genug zu tun mit den Handschuhen, dem
Restgeld und den ganzen Papierln in der Hand. Die stopfe ich irgendwo
ins Hecktascherl rein. Nur nicht belasten mit Sack & Pack! |
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Mit etwas Geduld findet sich doch
immer wieder ein ruhiges & stilles Plätzchen über der Baumgrenze. |
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Der Motorradhimmel ist still &
leer. |
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Aber jetzt! Jetzt wartet eine nahezu Menschen- und vor allem
Fahrzeug-leere Großglockner Hochalpenstraße auf mich, der Motorradhimmel
ist noch still & leer. Da will ich einmal vom Anfang bis zum Ende in
einem Zug durchziehen. Auch wenn’s echt kalt ist und von Kehre zu Kehre
bitterkälter wird. Nicht bloß für Nase und Hände und Zehen. Die Kante
slidet fröhlich vor sich hin. Und es ist wirklich noch gar niemand
unterwegs. Weder auf der Franz Josefs-Höhe – der Parkplatz ist leer -,
noch beim Hochtor – das ja im Sommer ganztags offen ist -, noch auf der
schmalen, Kopfstein-gepflasterten Auffahrt zur Edelweißspitze – dem
höchsten und dafür auch kältesten Punkt (ich schau lieber erst gar nicht
aufs Thermometer). Da bleib ich aber nicht, muss weiter, weiter, weiter,
runter bis zur Mautstelle Ferleiten. |
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Hier kommt selten ein Motorradfahrer allein, oft sind
es ganze Hundertschaften. |
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Es ist ein ewiger Zwiespalt – fahren oder schauen oder stehen bleiben
oder fotografieren. Frische Farben - blauer Himmel, grüne Wiesen, Felsen
in allen Farbschattierungen, bläulich schimmernde Gletscher ... hinter
jeder Ecke lauert ein Stativ-Loch, alles zusammen ein einziges
prächtiges Foto-Motiv. Aber alles auf einmal geht leider nicht, da muss
ich mir noch was überlegen, filmen vielleicht, aber nicht jetzt, jetzt
fahren, alles, was es an (Asphalt-)Straße zu fahren gibt, bei jedem
Aussichtspunkt eine Schleife ziehen, die freie (Fahr-)Bahn genießen, von
Kurve zu Kurve schwingen, im eigenen und nicht von anderen diktierten
Rhythmus. Und Speed.
Auf der anderen Seite, unten im Tal angekommen, bei der Maustelle
Ferleiten, eröffnet sich schon wieder ein Zwiespalt. Es wäre nicht mehr
weit bis nach Fusch und bis zu einem Kaffeehaus... Aber nein! Doch noch
nicht! Den zweiten Koffein-Stoß des Tages will ich mir in luftiger Höhe
holen. Und so kehre ich nach zehn Minuten Aufwärm-Pause wieder um,
zurück zum Fuß der Edelweißspitze, wo die Edelweißhütte schon geöffnet
hat, heißen Kaffee & Kuchen offerierend. Auch wenn’s immer noch recht
frisch ist, bleibe ich draußen, im Gastgarten und schau zu, wie langsam
aber sicher die ersten Touristen-Schwärme eintrudeln. |
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Eine Stunde später ist die Hölle los. Stoßstange an Stoßstange kriechen
Pkw, Busse, Wohnmobile, dazwischen Mopeds aller Arten und Temperamente
in beiden Richtungen an mir vorbei. Da mache ich nicht mit. Ich lass das
Eisen stehen, um ein wenig herumzugehen. Warm ist mir inzwischen ja, und
ich häng den Helm ans an den Lenker – der Wirt: „I schau scho drauf“ -,
packe den dicken Sweater in die und die Kamera aus der Tasche.
Murmeltiere will ich jagen gehen. Diese Idee haben andere ebenfalls.
Vorzugweise unter Entzückens-Kreischen und Schrill-Schreien. Was ich
nicht so gerne habe. Die Murmler ebenfalls nicht, auch wenn die
Futter-Nüsse und dergleichen noch so verlockend sind. Also treffe ich
mit ihnen ein Abkommen, ein andermal wieder zu kommen, wenn die lärmige
Meute verschwunden ist. |
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Gut besucht: Das Biker's Nest. |
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Nein! Hilfe! Mein Schlüssel! Fangt
doch den Vogel! |
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Früh am Morgen ist an der Mautstelle Heiligenblut
nichts los, später aber schon. |
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„Nein! Hilfe! Mein Schlüssel! Fangt doch den
Vogel!“ Zwischen die Entzückens- mischen sich Entsetzens-Schreie.
Geflatter. Gerenne. Geflenne. Verzweifelt hechelt eine Frau einer
provokant flug-hüpfenden Dohle nach. Diese schwarzen Rabenvögel sind
hier allgegenwärtig. Und halten Ausschau nach Glitzerdingen. Man sollte
nichts liegen lassen, keine Ringe und sonstige kleine, feine Sachen.
Auch keine Schlüssel. Die scharfen schwarzen Dohlen-Augen erspähen
alles, was funkelt und glänzt, und sie stehlen es – wie die Raben.
Soferne sie’s im Schnabel halten können, ist es flugs weg. Auf
Nimmerwiedersehen. Den Schnabel halten konnte diese Dohle jedoch nicht.
Sie keckerte, meckerte, krächzte. Weshalb ihr der geklaute
Motorradschlüssel wieder entfällt. Zum Glück nicht direkt überm
gähnenden Abgrund, sondern mitten auf dem Parkplatz. Hunderte Beine
laufen hin, hunderte Hände schnappen nach dem Schlüssel. |
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Die Großglockner-Hochalpenstraße wurde
von 1929 bis 1935 gebaut – mit vorausblickendem Blick auf Kurvenradien.
Wirklich enge Kehren gibt’s nur auf der Edelweißspitzen-Auffahrt. |
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Der Reserveschlüssel ist in
Hamburg. |
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Der Sieger überreicht ihn der bis zum
Kreislauf-Kollaps aufgeregten Frau: „Den Reserve-Schlüssel hab’ ich
nicht mit. Der ist zu Hause in Hamburg...“ Vor Erleichterung sinkt sie
auf den nächsten Sessel. Und spendiert dem Schlüssel-Aufklauber einen
Frei-Kaffee: „Das kommt allemal günstiger als, wenn...“, begründet sie
ihre spendable Anwandlung. Ein drängendes Bedürfnis nach Ruhe nach all
der Aufregung regt sich in mir. Die ist, trotz hoher Bergwelt, hier ja
nicht so einfach zu finden. Die von der Hochalpenstraßenverwaltung im
Jahr 2009 gestartete Aktion „Motorradhimmel Großglockner“ wird dankend
angenommen. Auch von Radfahrern. Sind ja auch Biker. Ergo: Das „Biker’s
Nest“ auf der Edelweißspitze ist zum Bersten voll. Die „Biker’s Points“
ebenfalls, selbst mit jenen, die sich nicht so gerne als Biker
bezeichnen lassen. Eine stille & ruhige Wiese muss
her, zum Seele baumeln lassen und das Wolken-Orakel befragen. Wie fast
immer untertags ziert der Glockner-Gipfel sich, seine volle Gipfelpracht
zu zeigen. Das eine oder andere Nebelfetzchen oder Wolkenschleierchen
muss er sich wohl immer vor die (Fels-)Nase halten, und er schickt es
dann davon, je nach Wind in die eine oder andere Himmelsrichtung. Es ist
immer Bewegung da oben.Auf der Suche nach einem Plätzchen bummele ich
noch einmal – fast – die ganze Strecke ab. Und werde fündig an der
Fuscher Lacke. Da hat’s zwar nicht viel mit Wiese, der Untergrund ist in
dieser Höhe eher steinig bis felsig, doch ein Leder-Outfit ist kein
schlechtes Ruhekissen und ich leg mich ins karge Almgras, stöpsle mir
die iPod-Knöpfe ins Ohr, lasse mich musikalisch berieseln und schaue den
Wolken beim Segeln zu ... Da sind viele, viele, viele Schäfchen...
Ich muss wohl eingeschlafen sein. Denn der Magen meldet: Einstweilen
wird es Mittag. Der ist allerdings schon längst vorüber, es geht gegen
drei. Wo ist die Zeit hingekommen? Jedenfalls ist es für mich Zeit, zu
gehen, beziehungsweise zu fahren. In Heiligenblut hat’s den gastlichen
Glocknerhof. Und der gibt eine Jause im Gastgarten her, mit Speck und
Käs und allem, was dazu gehört. Beim an- und abschließenden Kaffee werfe
ich einen Blick zurück und hinauf in Richtung Glockner. Huch! Die
vormals weißen Wölkchen und Wolken haben sich wild zusammengerottet, sie
bilden blau-schwärzliche mächtige Haufen mit weißen Türmen obendrauf und
untendrunter. Zeit zum Türmen, denn plötzlich grummelt es, und erste
Blitze zucken. |
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In der Edelweißhütte gibt’s guten
Kaffee und Kuchen. Edelweiß kann man auch kaufen. |
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Der Großglockner ist eine
Wetterscheide. Demnach hat’s dort immer mindestens zwei Wetter. Und
umschlagen kann das Wetter blitzschnell. |
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Also retour, ohne den geplante Umweg über den Kreuzbergsattel. Na,
hoffentlich wird das heute Abend was mit dem Grillen! Die Jause war nur
eine kleine, das frühe Aufstehen, die Höhenluft, das macht schon Appetit
auf was Deftiges, was Fleischiges - was Gegrilltes. In Kötschach-Mauthen
angekommen sind Wolken und Gewitter nur noch Erinnerung. Vorerst. Zum
Duschen, Umziehen und In-die-Maske-gehen ist noch ausreichend Zeit.
Ebenfalls für ein Viertelstündchen Power-Napping. Das ein abruptes Ende
findet, als mir auf einmal der Vorhang um die Nase weht, denn der steht
jetzt waagrecht ins Zimmer herein. Und draußen kübelt es senkrecht
hernieder. Na schade! Adieu Grill-Abend. Wenigstens werden die Fliegen
von der Kante gewaschen.
Noch vor dem Indoor-Abendessen hatte ich alle Wetterberichte
konsultiert, derer ich habhaft werden konnte. Aus den Prognosen aus
Fernsehen, Internet und Telefon reimt sich folgendes zusammen:
vormittags sommerlich sonnig & heiß, nachmittags Gewitter. Dasselbe wie
heute. Und was lerne ich daraus? Verzichte abends auf das dritte Bier
mit destillierter Beilage, sonst hat die nächste Morgenstund’ Blei im
Mund. Das wär dann nicht so gut mit dem zeitigen Aufstehen. Weil ich
nämlich auf meinem Programm unter anderem zwei Pässe hätte, die man –
wie den Glockner – am besten frühmorgens oder spätnachmittags befährt.
Doch das ist eine von vielen anderen Geschichten. |
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Interessante Links:
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Text/Fotos: Trixi Keckeis |
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