20 Grad im Jänner und 120 Motorräder vorm Strandcafe. Wir hatten
Freudentränen in den Augen.
Irgendwann bleiben wir dann dort...
BMW Test Camp Almeria 2011 - Landstraßentour
Das BMW Test Camp in Almeria war ein
All-Inclusive Urlaub der Sonderklasse. 2 Tage auf der Landstrasse und 2 Tage auf
der Rennstrecke sorgenfreier Motorradurlaub im Winter. Das südliche Spanien ist
im Winter ein perfektes Motorradrevier. Frühlingshafte Temperaturen und gähnend
leere Straßen soweit das Auge reicht.
Es sind nicht nur 20 Grad im Jänner welche uns solche Freude bereiten. Auch
nicht die mit Testmotorrädern befüllte Tiefgarage vom 4*-Hotel. Es ist die
Komposition all dieser für uns um diese Jahreszeit so surrealen Eindrücke. Vor 2 Tagen noch froren wir noch beim Schneeschaufeln bei -5
Grad Celsius. Und nun genießen wir hier am Strandcafe "Oasis" einen Espresso mit
Blick aufs Meer. Oder aber mit Blick auf die 120 BMWs welche hier auf der
Hauptstraße parken. Die Kinder der Umgebung winken aufgeregt am Straßenrand, die
Einheimischen zücken ihre Digitalkameras. Was für ein Anblick! Palmen, Meer und
tausende von Pferdestärken. All das im Jänner! Während wir jeden einzelnen
Strahl der Sonne genussvoll mit unserem Gesicht aufsaugen, denken wir an das
soeben erlebte. Wir fuhren durch Felder mit Zitronenbäumen. Ein grünes Farbmeer
mit gelben Farbtupfern. Gleich danach folgten die Orangen und weiter oben in den
Bergen dann die Olivenbäume. Nur weiter im Westen wurde die Landschaft von
tausenden Gewächshäusern komplett zerstört. Hier im Hinterland von Mojacar ist
das spanische Hügelland noch in Ordnung. Sehr in Ordnung sind auch die kleinen
und großen Cafes entlang der Strecke. Für 2 Espresso und eine große Flasche
Wasser bezahlen wir im teuren Schuppen 3,60 Euro und in der billigen Hütte 3,30
Euro. Das Strafzettelbudget wurde nicht mal angetastet, möglicherweise ist hier
auch für die Hüter des Gesetzes "Nebensaison".
Die Straßen waren leer - bis zu unserer
Ankunft.
Nicht nur Touristenfallen
Klarerweise wimmelt es an der Küste nur von so Touristenfallen, doch es gibt
auch Perlen unter den Restaurants. Dazu zählen wir die beiden argentinischen
Steakhäuser La Cabana und La Hacienda in Mojacar. Nach einem intensiven
Motorradtag kann unser Körper das unzensurierte pure Eiweiß gut vertragen. Den
südamerikanischen Roten übrigens genauso. Spätestens dann wenn der Kellner mit
den Brandy-Flaschen angetänzelt kommt, ist es jedoch Zeit Disziplin walten zu
lassen. Am nächsten Morgen warten die frisch polierten Motorräder auf uns und
wir möchten doch keine Kurve verpassen.
Cafepause im Yachthafen von San Jose.
Diese 4 Bilder beschreiben eigentlich ganz gut, was wir die 4
Tage so erlebten. Kurven, geile Bikes und eine Extraportion Sonne.
Strandcafe Oasis. Unsere BMW Partie erobert die ganze Strandpromenade und wird
zum lokalen Großereignis.
Disziplin und Fahrspaß kein Gegensatz
Wir befuhren hier an 2 Tagen wunderbar abwechslungsreiche Straßen. Von Sorbas
in Richtung Süden zum Beispiel wurde ein wahres Kurveninferno geboten. Der
Asphalt ist hier perfekt für die Metzeler Racetec K3 auf den S 1000 RRs von BMW
und außer unserer riesigen Horde nutzt diese Strasse am Wochenende wohl niemand.
Wir fuhren in Gruppen und die Guides von Bike Promotion legten eine perfekte
Grätsche hin. Einerseits gab es keinen Kompromiss wenn es um Sicherheit ging. Da
geht die deutsche Gründlichkeit mit den Herren durch. 120 Personen sitzen hier
teilweise nach 2-3 Monaten das erste Mal wieder am Motorrad, geben mit den
Sahnestücken aus der BMW Modellpalette kräftig Gas und am Abend langweiligen
sich Teamarzt und Mechaniker weil eben nichts passiert ist. Andererseits kommen
Männer und Frauen, Alte und Junge, Österreicher und Deutsche mit einem breiten
Grinsen ins Hotel zurück. Je nach Fahrkönnen und Drehzahldurst werden die
Gruppen perfekt eingeteilt und jeder kam auf seine Rechnung. Der gemütliche
Sonntagsfahrer in der langsamsten Gruppe ebenso wie die speedgeile Sozia welche
auf der Autobahn ständig 200 fahren wollte.
GP Star als Tourguide - Perlen vor die Säue
Jürgen Fuchs ist als Instruktor mit dabei. Im Laufe der Tour wird er für alle
Teilnehmer zum Kumpel und hat Storys ohne Ende auf Lager.
Was sein muss, muss sein. Instruktionen für die morgige Ausfahrt.
Fahrzeugeinteilung, Sicherheit, Organisatorisches. Die Deutschen haben das wie
immer perfekt im Griff.
So stell ich mir mal eine gut sortierte Garage vor. Alles für uns!
So stell ich mir mal eine Begrüßung zum Abendprogramm vor. Alles für uns!
Die flotten Gruppen
werden beinahe schon verschwenderisch angeführt. Ex GP-Star Jürgen Fuchs zum
Beispiel gibt bei einer Gruppe als Tourguide die Linie vor. Der nächste Pulk
wird von Isle-of-Man Racer "Penz" angeführt. Die Teilnehmer fühlen sich zurecht
wie im Paradies und laufen beim Cafestopp ganz aufgekratzt um die Motorräder.
Mitten drin in der Partie immer Jürgen Fuchs. Der Mann hat bei diesem Event
nicht eine Minute Pause. Ob beim Cafe, zu Mittag, zum Frühstück, zum Abendessen,
an der Hotelbar und vermutlich auch beim Pinkeln beantwortet er geduldig,
freundlich und begeisternd alle Fragen der Motorrad-Touristen. Die fühlen sich
sichtlich wohl beim All-Inclusive Urlaub und wissen die vielen kleinen Details
zu schätzen. Die Crew von Bike Promotion und BMW Deutschland ist hier 50 Mann /
Frau stark und liest den Freaks die Wünsche von den Augen ab. Motorräder wollen
getauscht werden, das Schaltschema muss umgedreht werden und dann möchte man
auch noch in der gleichen Gruppe wie der Kumpel fahren. Bei 120 Teilnehmern ist
das keine leichte Aufgabe, doch sie wird toll gemeistert. Wir genießen unseren
Urlaub und nehmen das hektische Treiben im Hintergrund dieses Events nicht wahr.
In der Tiefgarage zum Beispiel ändern die Mechaniker nun mal flott das Setup für
alle Motorräder. Morgen geht es auf die Rennstrecke. Sie tanken, warten, putzen
und organisieren während wir an der Hotelbar von den Heldentaten des Tages
berichten können.
Zum Beispiel von der spektakulären
Auffahrt bei Garrobillo hinauf in Richtung Las Librilleras. Binnen weniger
Kilometer entfliehen wir dem hektischen Treiben der Küstenstraße und befinden
uns einsam gefühlte 1000 Meter über dem Meer welches sich in seiner ganzen
Pracht vor uns ausbreitet. Diese kleine Seitenstraße hätte wohl niemand von uns
auf eigene Faust entdeckt. Die Bike Promotion Truppe hat spanische Insider mit
im Team, welche ein abwechslungsreiches Programm zusammengestellt haben.
Ein obligatorisches Gruppenfoto bei Los
Escullos
Autobahn für exklusive Nutzung
Hier in Spaniens Süden machten uns sogar die Autobahnen Spaß. Sie winden sich
mit sanften Radien durchs Hinterland der Küsten und stehen uns am Wochenende
quasi zur exklusiven Nutzung zur Verfügung. Erst hier, nach 60 Kilometern
Kurvenhatz wurde mir bewusst, dass mir der nette Thomas Thieme von Bike
Promotion eine auf 9000 Touren gedrosselte S 1000 RR untergejubelt hat. Ist es
eine Schande für mich, dass ich all die Kurven bisher unter 9.000 Touren fuhr?
Oder ein Lob für die tolle Motorabstimmung und das gewaltige Potential vom BMW
Superbike? Das nagelneue Eisen aus dem Schauraum hat eben gerade mal 200 Kilometer auf
dem Tacho und erst beim ersten Service wird diese Waffe dann entsichert.
Vermutlich war es gut für mich und meinem Führerschein, dass ich dem kindischen
Treiben vom Kollegen Kot hier auf der Autobahn nicht folgen konnte. Beim
Absteigen kicherte er nur wirres Zeug und davon, das Geschwindigkeit im Auge des
Betrachters liegt. Man muss nur eine ganze Weile lang deutlich über 200 fahren,
dann kannst du mit 180 absolut entspannt und beinahe schon gelangweilt zurück
ins Hotel gleiten. Den Technikern danken wir mit einem Klaps auf die Schulter
und attackieren das Hotelbuffet. Das haben wir uns wohl verdient!