Flucht in den Süden. Mit KTM 690 SM und Manfreds Motorradreisen ab nach Portugal.
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Herbst-Flucht nach Portugal
2009 - Teil 1 |
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Mit der KTM 690 SM LE in Portugal
unterwegs |
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Sonnenaufgang über Santarém, die Farben sind schon
fast afrikanisch. |
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Manchmal überfällt der Winter den Sommer und lässt dem Herbst keine
Chance. Da hilft nur eines: Flucht in den Süden. Zum Beispiel nach
Portugal. Schon lange geplant, kam das heuer grad zur rechten Zeit, an
einem grauslichen Schlechtwettertag ging’s von Wien nach Lissabon, in
die Sonne. Die KTM war schon dort, angereist per Lkw-Transport. Der
Abfahrt direkt vom Flughafen an den Atlantik stand im Prinzip nichts im
Weg. Das Leben kann so einfach sein! Man setzt sich bei Finsternis und
nahezu arktischen Temperaturen in den Flieger und steigt nach knapp drei
Stunden (Flugzeit) im Sonnenschein bei rund 25 Grad plus wieder aus.
Wird von einem freundlichen Menschen empfangen, der einem die –
vorausgeschickte - Mopette vom Laster holt und das Gepäck in die Hand
drückt (wenn man’s mit vorausgeschickt hat). Das Einzige, was zu tun
ist, ist die Wäsche zu wechseln, sprich in die Motorrad-Panier
umzusteigen, Koffer oder Tasche wieder im Lkw zu deponieren, dann den
Helm aufzusetzen und loszufahren. |
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3 Stunden Flug, rein in die Panier - und los! |
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So war’s geplant & organisiert. So hat es auch
funktioniert. Ein Häuflein Frühwintereinbruch-Geschädigter blinzelte an
einem Oktober-Mittag am Airport Lissabon in die strahlende
portugiesische Sonne. Von den zehn Bikes im Laderaum und auf dem
Anhänger – verschiedene BMW-GS-Jahrgänge, auch zwei Roadster sowie eine
RT, eine 1050er-Tiger und eine - meine - KTM 690 SM LE - waren acht im
Handumdrehen abgeladen. Keine Stunde nach der Ankunft war man schon on
the road. Wohl versorgt mit Straßenkarte, Route und
Navisystem-Programmierung. Wer nicht ohne seinen Koffer oder sein
Topcase fahren mochte, montierte Selbiges am Bock, deponierte die
Reisetaschen oder den Koffer wieder im Lkw.
An dieser Stelle mag man fragen, warum von zehn
nur acht Motorräder in Richtung Santarém, dem von Lissabon aus nördlich
gelegenen ersten Fixpunkt der Acht-Tage-Portugal-Tour auf Tour gingen?
Dass eins, das des Organisators, Tour-Guides und Transporteurs Manfred,
auf der Ladefläche blieb, ist ja logisch. Wie sonst sollten Lkw,
Anhänger UND seine GS zum Hotel Santarém kommen? Aber die andere, die
690er-Supermoto? Meine? Womit wir wieder beim Thema Gepäck angelangt
wären. Kein Lost & Found-Büro auf der Welt kenne ich mittlerweile so
gut, wie den in Lissabon. Zwei Mal schon war ich dort vorstellig
geworden. Immer ist mein Gepäck wieder aufgetaucht. Einmal später,
einmal früher.
Also marschierte ich wenig hoffnungsfroh wieder
einmal zum L & F-Office, nachdem ich 17 Mal das Bulky Luggage-Förderband
gecheckt hatte, aber auch dort meine Racing-Tasche nicht zwischen den
Golf-Bags und Surfbrettern aufgetaucht war. Des Rätsels Lösung war, nach
einer Stunde intensiver Recherche, diese: Meine Tasche war stehen
geblieben. In Zürich. Also stand ich da. Ohne Equipment. Der einzige
Ersatzhelm hatte leider keine – mir passende – Kindergröße. Abgesehen
davon war’s ein Klapper. Also blieb fürs erste nichts Anderes übrig, als
im Lkw den Beifahrersitz zu entern und so nach Santarém zu reisen, mit
einer gehörigen Portion Grant auf die Gepäckbeförderungs-Heinis und
einer noch gehörigeren Portion Neid auf die anderen, die bei
Idealbedingungen auf ihren Eisen saßen und die ersten Kilometer fraßen.
Derweilen vertrieb mir mein Chauffeur und Tour-Guide mit beruhigender
Musik, Helmut Qualtinger und einem Lunch-Stopp in einem
Fernfahrer-Wirtshaus die Zeit. Aber nicht die schlechte Laune. |
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KTM 690 SM LE: eine Woche und einen
Tag im Lkw von Wien nach Lissabon unterwegs. |
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In Santarém konnte die Kante endlich
aussteigen und frische Luft schnappen. |
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Gepäck not found - lost in Zürich. Die KTM blieb im
LKW. |
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Das Hotel Santarém in Santarém liegt, vielmehr
steht, auf einer Anhöhe. Aus nicht allzu weiter Ferne blinkt der Tejo
herauf. Das war der erste Ausblick, den die KTM nach einer Woche im Lkw
genießen konnte. Und eine Einführungsrunde auf dem Hotelparkplatz. Der
Rest des Nachmittags verlief kurzweilig mit Lost-&-Found-Office-
Telefonaten im Stundentakt. Mit teils ermutigenden, teils wenig
aufbauenden Resultaten: Ja, die Tasche wurde in Zürich gefunden, ja, sie
fliegt noch heute weiter nach Lissabon, ja, sie wird zugestellt.
Allerdings erst am Montag, weil der Auslieferungsdienst Samstag und
Sonntag nicht im Dienst ist. Wir hatten Freitagabend. Na super.
Derweilen wurde es Abend. Die anderen trafen ein.
Müde, aber nicht ganz unzufrieden. Sie waren unter anderem am
westlichsten Punkt Europas, am Cabo da Roca gewesen, und hatten dort
Grüße von mir deponiert. Was mich ganz und gar nicht zufriedener machte,
zumal fünf vor zehn auf dem Flughafen in Lissabon niemand mehr das
Telefon abhob. Also die Nacht durchwachen und sich Sorgen machen, ob die
Tasche nun kommt oder nicht und ob der nächste Tag – die
Wettervorhersagen waren ausgezeichnet – wieder ein verlorener Fahr-Tag
sein würde? Eine halbe Stunde später läutete das Telefon.
Lost & Found am Apparat: „Your bag is here! We open the counter at eight
in the morning.“ Der Rest war easy: Ein Taxi organisieren – was sind
schon 100 Euro gegen zwei verlorene Motorradfahr-Tage -, tags darauf um
sechs Uhr aufstehen, um sieben Uhr losfahren, um acht Uhr die Tasche in
Empfang nehmen, um neun Uhr im Hotel umziehen und um zehn Uhr die Kante
starten. |
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Offiziell beglaubigt mit Latitude, Longitude und
Altitude. |
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Ein Ausblick, der viel hergibt: Blick auf Coimbra am Nachmittag.....und
bei Nacht. |
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Hurra! Auf geht’s! Endlich! Milde Temperaturen,
strahlende Sonne, trockener Asphalt, verträumte Dörfer, kaum eine
Gerade, nur Kurven – Herz, was begehrst du mehr. Der Kante hat’s auch
sofort gefallen, selbst wenn deftig-heftiges Galoppieren vorerst nicht
angesagt war. Es ging eher auf gemütlicher Tour dahin. Was angesichts
des teils glatteisartig schlüpfrigen Asphalts, garniert mit Schotter-
und Sand-Streifen auf der Ideallinie sowie dem einen oder anderen
Erdklumpen wahrscheinlich die bessere Gangart-Wahl war.
Dafür konnten wir in Herrlichkeiten schwelgen, die in unseren
Heimatbreiten im Herbst schon ziemlich abgesagt, beziehungsweise gar
nicht zu finden sind: Kaffeepause im Freien, unter Palmen, Mittagessen
im Strandrestaurant, mit Blick auf den Atlantik (auch ein kurzes Bad in
ebendiesem) und das in T-Shirt und mit der gemäßigten Jacke-, Hose-,
Handschuh-Konfiguration. |
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Auf dem Cabo Cavoreiro bei Peniche:
Hier kann man in aller Ruhe kontemplativ
auf den Atlantik hinausschauen. |
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Abschließendes Highlights des Tages war der
Abstecher zum Cabo Carvoeiro bei Peniche, wo sich der eine oder andere
zwischen den Steinen seinen eigenen Weg auf dem festen Sand-Untergrund
suchte. Da kann es vorkommen, dass man mit den Seitenkoffern einer GS
zwischen den Felsen hängenbleibt. Wie gesagt: Es kann vorkommen. |
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Milde Temperaturen, strahlende
Sonne, trockener Asphalt,
verträumte Dörfer, kaum eine Gerade. |
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Wenn’s läuft, dann läuft’s. Im Guten wie im weniger Guten. Vielleicht
war die Atlantik-Luft doch zu frisch gewesen, was auch immer: Der
nächste Morgen überraschte mich mit Kopfweh & Niesen, Husten- &
Schnupfen-Attacken und stotterndem Kreislauf. Anzeichen einer
schweinischen Grippe. Ganz arg. Weshalb ich der KTM was ganz Arges antun
musste. Nämlich, weil Hotel-Wechsel angesagt war, wieder auf dem Lkw
festgezurrt zu werden. Heulen hätte ich können. Tat ich eh, weil die
Augen so tränten. Wie’s zwischen Santarém und Coimbra ausschaut, weiß
ich nicht mehr, da ich die meiste Zeit im Dämmerschlaf versunken war. |
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Cabo da Roca, der westlichste Punkt Europas.
Und sicher einer der schönsten. |
Für Seitenkoffer-bewährte Mopeds kann es zwischen den
Steinen auch eng werden. |
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Endlich: Die perfekte Straße und die 63 PS der Kanten. |
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Beim Abstecher nach Fátima dürften die anderen, die
Glücklichen, die den ganzen Tag eine abwechslungsreiche Route unter die
Räder nehmen konnten, ein insgeheimes Gebet für mich gesprochen haben.
Ein wirksames. Am Nachmittag ging’s mir schon viel besser. Am Abend,
nachdem alle das Hotel gefunden hatten, ging’s schon wieder einigermaßen
gut. Die Augen blieben trocken. Sicherheitshalber nahm ich noch ein
wenig vom einheimischen Roten zum Abendessen und hernach ein Schnäpschen.
Der Wetterbericht blieb hartnäckig dabei, dass es sich am Dienstag
zum Feuchten und Trüben wenden werde. Zum Glück hatten wir erst Montag.
Der begann ungewohnt kalt. Bei der Abfahrt zeigte das Außenthermometer
ganze neun Grad plus. Aber bis zum ersten Kaffee-Stopp in Pampilhosa
hatte sich die Temperatur wieder auf ein angenehmes Niveau
aufgeschwungen. Und gut war’s. Nach tempomäßig angemessener Fahrt durch
Täler und über Dörfer ging’s weiter in Richtung Serra da Estrela. Auf
ein rot-lehmiges Baustellenstück folgte die obligate Kaffeepause. Und
dann kam’s: ein Straßenabschnitt, der geiler nicht hätte sein können.
Ganz abgesehen von der sich in endlosen Hügelwellen ausbreitenden,
weiten Landschaft, der man in ihrer saftigen Grünheit den Herbst nicht
ansah. „Strecke frei!“ deutete Manfred sodann.
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Völlig gefangen von
Landschaft und Gegend brauchte ich - ausnahmsweise - eine zweite
Aufforderung: „Na, gib endlich Gas!“ gestikulierte unser aller Tour-Guide. Der KTM musste ich das nicht zweimal sagen. Nominell
leistungsmäßig die „Schwächste“ von allen zeigte sie, was ein Handling-
und Gewichtsvorteil ausrichten kann: auf einem steten Wechsel zwischen
weiten und engen Kurven in perfektem Rhythmus, die Geraden gerade so
kurz oder lang, dass die 63 PS sich gegen die durchschnittlich 90 PS der
anderen Bikes durchsetzen konnten, von denen das leichteste auch gut 210
Kilo auf die Waage bringt, dazu ein perfekter, nahezu lochfreier
Asphalt, keine Schotterhauferl, nichts. Der Metzeler pickte perfekt. Ich
war – und ich bin es noch – stolz auf meine kleine Kante.
Damit ist, nebenbei, auch der Beweis geliefert, dass Motorradfahren
die beste Medizin ist. Das letzte Grippe-Symptom hatte sich in Luft
aufgelöst. Beim Picknick in Silvares – die Zutaten hatten wir schon in
Pampilhosa eingekauft – dürften die Viren endgültig Reißaus genommen
haben. Wahrscheinlich hat sie das Begrüßungs-Komitee in Gestalt zweier
zorniger Gänse verscheucht. Die beiden Damen, wir nahmen an, es sind
solche gewesen, hatten sich unglaublich darüber aufgeganserlt, dass wir
ihnen den Weg zum Schwimmteich angeblich versperrt haben. Gar nicht
wahr! Aber vielleicht hatten sie angenommen, unsere Eisen wären
Konkurrentinnen... Dabei wollten die mit Sicherheit nicht schwimmen
gehen....Teil 2 folgt.
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Wer eine Enduro hat, der hat - und muss hin und wieder
in den Schotter reiten. |
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Interessante Links:
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Text: Keckeis
Bilder: Trixi Keckeis, Manfred Cyran, Sylvia Linc, Peter Mitterer |
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