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Weltreise 12.Teil |
| Donnerstag, 9. August 2007 |
| Den heutigen Tag verbringen wir in
der kleinen Grenzstadt Santa Elena. Nach mittlerweile fast 6000km in Süd
Amerika hat mein Motorrad einen Ölwechsel nötig, den ich einfach im
Vorgarten eines freundlichen Einheimischen durchführe. |
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Als wir danach die Motorräder voll tanken erleben
wir eine freudige Überraschung. Für 70 Liter Superbenzin bezahlen wir
gerade einmal 4000 Bolivares!! Bei einem Wechselkurs von 3600 Bolivares
pro einem Dollar liegt der Liter Preis also bei unglaublichen 0.016 US
Dollar!
Diesem Preisdumping verdankt Präsident Hugo Chavez natürlich einen
großen Teil seiner Beliebtheit bei den Wählern. Als Erdöl förderndes
Land erlebte Venezuela in den siebziger und achtziger Jahren ein wahres
Wirtschaftswunder doch seit der weltweiten Ölkrise 1988 befindet sich
die auf Rohstoffgewinnung ausgerichtete Volkswirtschaft auf einer
ständigen Talfahrt und die Inflation ist nicht mehr aufzuhalten.
Im Moment trage ich über eine Million Bolivares bei mir was in etwa
gerade einmal 200 Euros entspricht.
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| Freitag, 10. August 2007 |
| Chris und Lori werden noch etwas
länger in Santa Elena bleiben und ich werde meine Reise nach Norden
alleine fortsetzen. Die Landschaft ist atemberaubend, der Süden des
Landes erstreckt sich über eine Hochebene die durch grünes Hügelland
führt. |
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Neben den ausgesprochen motorradfreundlichen
Spritpreisen ist Venezuela auch bekannt für makellose Straßen. Ohne ein
einziges Schlagloch führt die Reise über absoluten Traumasphalt.
Besonders lustig sind natürlich meine Fotostops.
Wenn ich anhalte bin ich schnell umringt von freundlichen Einheimischen
die unbedingt ein Foto mit mir machen wollen. Herzlicher kann man als
Reisender eigentlich gar nicht empfangen werden.
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| Samstag, 11. August 2007 |
Heute geht’s weiter in die Stadt
Cuidad Guyana. Hier muss man mit der Autofähre über den Rio Orinoco und
gelangt dann auf die Schnellstrasse in Richtung Küste.
Das Motorrad wird einfach auf das Schiff gefahren und die Überfahrt
dauert eine halbe Stunde. Natürlich ist meine Maschine die eigentliche
Attraktion an Bord und die Leute umringen mich interessiert.
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| Sonntag, 12. August 2007 |
Heute setzte ich meine Fahrt nach
Guiria fort. Die kleine Hafenstadt Guiria liegt auf einer Halbinsel und
stellt den nordwestlichsten auf einer Strasse zu erreichenden Punkt
Venezuelas dar. Von hier aus geht auch die Fähre nach Trinidad und
Tobago und dort werde ich mein nächstes UNICEF Projekt besuchen.
Die Halbinsel von Paria gehört zu den regenreichsten Gebieten der Erde.
Die Bergketten im Hintergrund sind fast immer in Wolken gehüllt und ihre
Vegetation wird auch Cloud Forrest genannt. Durch die ständige
Feuchtigkeit stellt dieser „Wolkenwald“ ein einzigartiges Ökosystem dar.
In Guiria finde ich einen netten Campingplatz wo ich mein Zelt
vorsichtshalber unter einem Schilfdach aufstelle. Die Regenfälle hier
sind mitunter so heftig, dass sie mich sonst ohne weiteres wegschwemmen
würden. |
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| Montag, 13. August 2007 |
Heute führt mich mein erster Weg ins
der Büro der Fährgesellschaft um die Überfahrt nach Trinidad und Tobago
zu regeln. Dort erfahre ich, dass Windward Lines den Betrieb der
Autofähre eingestellt hat und es nun nur mehr möglich ist mit einer
Personenfähre zu übersetzen.
Diese Fähre transportiert keine Fahrzeuge mehr und um meine Motorrad
einzuschiffen müsste ich ein Frachtschiff finden, dessen Kapitän bereit
wäre die Maschine mitzunehmen.
Zudem akzeptiert Trinidad und Tobago auch das Carnet de Passage nicht.
Der Staat hat das Zollabkommen zur temporären Einfuhr von Fahrzeugen
zwar 1954 unterschrieben, besteht aber trotzdem auf die Hinterlegung
einer Kaution in Höhe des Fahrzeugwertes und zudem muss die Maschine auf
Trinidad neu zugelassen und mit nationalem Kennzeichen versehen werden.
Diese Auflagen übertreffen selbst jede interkontinentale Verschiffung an
Härte und stehen für mich klar für ein leider nicht. Ich werde zwar nach
Trinidad fahren um dort ein Projekt von UNICEF zu besuchen, das Motorrad
bleibt jedoch in Venezuela. Auch das ist natürlich keineswegs
einfach. Der Venezuelanische Zoll hat nämlich meine Maschine in den
Reisepass eingetragen und ich darf das Land nicht ohne Motorrad
verlassen.
Mir bleibt nichts anderes über als den Partnerclub des ÖAMTC, den TACV (Venezuelanischer
Automobilclub) in Caracas zu kontaktieren und um Rat zu fragen. Ich
bekomme sofort Auskunft und erfahre, dass die einzige Möglichkeit ohne
Motorrad auszureisen darin besteht den Zoll über mein Vorhaben zu
informieren und um eine Sondergenehmigung anzusuchen. In der Regel
sollte mir diese jedoch gewährt werden.
Im Zollbüro erklärt man mir, dass ich die Maschine in Guiria offiziell
garagieren muss und vom Parkplatzinhaber eine Bestätigung brauche. Das
kling vorerst einmal recht gut, einen sogenannten Parkplatzinhaber zu
finden der bereit ist mir eine offizielle Bestätigung auszustellen
erweis sich jedoch als Suche einer Nadel im Heuhaufen.
Milde ausgedrückt scheinen die Leute meinen Zollpapieren gegenüber den
gleiche Horror zu empfinden wie der Teufel vor dem Weihwasser.
Erst werde ich mit Hola Amigo begrüßt, als ich jedoch den Zettel mit dem
bedrohlichen Stempel vom Fiskus zücke ist es vorbei mit dem Spaß. Keiner
will auch nur irgendetwas damit zu tun haben.
Ich komme mir vor als würde ich am Schwarzmarkt einkaufen und dazu eine
Rechnung mit ausgewiesener Mehrwertsteuer und Garantieschein verlangen
Mit Glück finde ich ein Hotel dessen Inhaber bereit ist mir gegen Gebühr
das gewünschte Papier auszustellen und ich bekomme vom Zollchef meine
Bestätigung. Ich darf nun für eine Woche offiziell das Land verlassen.
Sollte ich nicht zurückkommen, lässt man mich wissen, gehört mein
Motorrad dem Zoll.
Ich muss sagen, nach der Durchquerung des Kongos sowie Angolas sind
derartige Amtswege zwar keinesfalls neu für mich, bei der Ausreise von
Venezuela ins befreundete Trinidad kommen sie jedoch etwas unerwartet.
Ich bin nur froh, dass ich mir mittlerweile mit der Sprache einigermaßen
helfen kann. Ohne Spanisch stünde man hier im wahrsten Sinne des Wortes
in einem Spanischen Dorf.
Am Abend gehe ich dann laufen und komme in ein schweres Gewitter. Als
ich über die Hauptstraße zurück in die Stadt laufe fällt der Strom aus
und die vom Sturm geschüttelten Palmen geben im Licht der Blitze ein
recht bizarres Bild ab.
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| Dienstag, 14. August 2007 |
| Heute treffe ich die letzten
Vorbereitungen für meinen motorradfreien Aufenthalt in Trinidad und
schaue mich etwas in der Stadt um. Überall auf den Strassen findet man
riesige Amerikanische Autos aus den 70er Jahren. Durch die florierende
Ölgewinnung lebten die Menschen damals mehrheitlich im Wohlstand und es
war üblich einen teueren Wagen aus Amerika zu fahren. Heute sind diese
Autos immer noch unterwegs, nur meist haben sie schon 10 mal den
Besitzer gewechselt und der Zustand ist katastrophal. |
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| Mittwoch, 15. August 2007 |
Heute geht es weiter nach Trinidad.
Die für 16 Uhr geplante Fähre legt pünktlich um 18 Uhr Uhr ab und wir
machen uns auf den Weg in die Karibik. Kurz nachdem wir Guiria verlassen
haben geht hinter den Bergen der Halbinsel Paria die Sonne unter.
Der Legende nach setzte hier Columbus seinen Fuß auf Amerikanisches
Festland und „The Conquest of Paradies“ nahm ihren Lauf.
Die bedrohlichen Wolkenberge im Hintergrund stellen die Vorboten von
Hurrikan Dean dar. Der Sturm bewegt sich nun mit rund 160 Km/h über den
kühlen Atlantik und sobald er die warmen Gewässer der Karibik erreicht
baut er ein so enormes Drucksystem auf, dass er voraussichtlich mit über
240 Stundenkilometer auf Jamaika zu rasen wird. |
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In der Regenzeit werden die Küsten
und Inseln der Karibik oft von diesen schweren Stürmen getroffen und ich
hoffe, dass es diesmal Trinidad und Tobago nicht zu schlimm erwischt.
Auf jeden Fall ist die Stimmung an Bord ausgezeichnet und während wir an
fantastischen Wolkengebilden vorbeifahren shaken die Leute am Oberdeck
zu den entspannten Rhythmen von Bob Marley und Sean Paul.
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| Donnerstag, 16. August 2007 |
Port of Spain empfängt mich heute
mit Sturm und schweren Regenfällen. Hurrikan Dean hat bereits die Skala
3 erreicht und wird die Inselgruppe nur schwach streifen. Einige der
Strassen der Hauptstadt verwandeln sich in kleine Bäche. Freilich, wir
sind in Wahrheit noch hunderte Kilometer vom Zentrum des Hurrikans
entfernt doch durch das enorme Drucksystem welches solche Wirbelstürme
mit sich bringen ist der Wettersturz heftig.
Zum Glück gibt es aber bereits am Nachmittag wieder Sonnenschein und der
geplante Awareness Walk gegen AIDS kann normal stattfinden.
Es kommen die Nationalteams der Kricket und Fußballspieler und gemeinsam
mit hunderten Kindern werden wir um den Stadtpark marschieren und auf
die Gefährlichkeit von HIV aufmerksam machen |
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| Es sind verschieden Medien aus
Trinidad und Tobago anwesend und ich berichte im Rahmen eines Interviews
über mein Weltreiseprojekt und spreche über die Wichtigkeit der Arbeit
von UNICEF. Die Stimmung ist ausgezeichnet und die Sportler schreiben
den Kindern unermüdlich Autogramme auf ihre T-Shirts |
Besonders in der englischsprachigen
Karibik ist Reggae und Hip Hop das Sprachrohr der Jugend und gemeinsam
mit Künstlern aus der Szene werden zahlreiche Events organisiert um wie
hier auf die Gefahr von HIV aufmerksam zu machen.
Neben den Teilnehmern fährt ein Lastwagen mit einigen der bekanntesten
Dj´s der West Indies und ein riesiges Soundsystem sorgt für die
Stimmung. Die Texte der coolen Rap and Ragga Songs vermitteln wichtige
Botschaften wie den Gebrauch von Kondomen und die Abstinenz von Drogen.
Bald ist der ganze Park in Bewegung und tanzt zu den heißen Rhythmen.
Man muss die Kinder und Jugendlichen nicht lange beobachten um zu
erkennen, dass sie die ernsten Botschaften absolut cool finden und die
Texte begeistert mitsingen und wiederholen. |
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Veranstaltungen in dieser Art sind
in einer so extrovertierten und partyorientierten Kultur wie der von
Trinidad und Tobago der beste Weg eine Botschaft zu vermitteln.
UNICEF bemüht sich mit lokalen Partnerorganisationen laufend darum
solche Veranstaltungen zu organisieren. |
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| Freitag, 17. August 2007 |
Heute werde ich an einer Schulung
zur Information und Prävention von HIV teilnehmen.
Einer der Bereiche stellt die fachgerechte Verwendung eines Kondoms dar
und ich habe das Vergnügen den Anwendungsvorgang am Model zu
demonstrieren.
Selbstverständlich nicht ohne eine gewisse Heiterkeit im Publikum
hervorzurufen, doch genau darin liegt der Punkt. Durch die weitgehende
Enttabuisierung des Themas Sexualität sowie die damit zusammenhängende
Aufklärung wird es möglich bei den Menschen ein Umdenken zu erzielen und
dadurch gefährliche Praktiken zu vermeiden.
Am Nachmittag besuche ich Childline. Childline ist eine Telefonhotline
für Kinder an die sie sich bei jeder Art von Notfällen wenden können. |
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Im Gespräch mit der Leiterin erfahre
ich von einem schockierenden und aktuellen Fall. Ein 17 jähriges Mädchen
wird seit ihrem 12. Lebensjahr vom eigenen Vater sowie vom neuen
Lebensgefährten der Mutter missbraucht und will auf keinen Fall eine
Anzeige bei der Polizei machen.
Ohne ihre eigene Aussage kann die Exekutive jedoch aus Beweismangel
nicht einschreiten und die psychologischen Berater von Childline sind
nun dabei sie von der Wichtigkeit eines solchen Schrittes zu überzeugen.
Wie viele andere Opfer von Missbrauch in der eigenen Familie denkt sie,
dass sie an der Situation selber schuld ist und hat deswegen bereits 5
mal versucht sich das Leben zu nehmen!
Childline stellt mit kostenloser psychologischer Beratung und der
Garantie von absoluter Anonymität eine unschätzbar wichtige Einrichtung
dar und ist für die Kinder oft die einzige Möglichkeit Hilfe zu finden.
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| Samstag, 18. August 2007 |
Heute werde ich mir ein wenig die
Umgebung von Port of Spain ansehen und dazu eine Runde laufen gehen.
Die Stadt wird zu ihrem Rücken von einer kleinen Hügelkette begrenzt und
von der entlang führenden Bergstrasse hat man einen herrlichen Ausblick.
Auf diesen traumhaften Kurvenstrassen ist es wirklich schade wenn man
sein Motorrad nicht dabei hat. |
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| Im Zentrum der Stadt findet man
heute nur mehr wenige intakte Bauten aus der Kolonialzeit. Darunter die
Kathedrale und einige der prachtvollen Anwesen am Rande des Stadtparks. |
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Heute Nacht weckt mich ein lauter Knall. Als ich
aufstehe um nach dem Rechten zu sehen erkenne ich ein Autowrack in der
Hausmauer des Nachbarn. Offensichtlich hat der Fahrer durch zu hohe
Geschwindigkeit die Strasse verfehlt und ist geradewegs in die Mauer
gedonnert.
Am nächsten Morgen wird das Auto dann abgeschleppt und der Lenker steht
daneben und beschwert sich lautstark bei den Anrainern, dass
irgendwelche Gangster sein Autoradio ausgebaut haben. Freilich, der
Wagen ist ein Totalschaden und er wie durch ein Wunder unverletzt, was
zählt ist jedoch das Radio! |
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| Sonntag, 19. August 2007 |
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Heute findet in Port of Spain ein Duathlon statt
und ich komme natürlich vorbei um mir das Rennen anzuschauen. |
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Die ambitionierten Athleten starten
durchwegs mit spitzen Material und ich bewundere ihre
Hitzebeständigkeit. Der Kurs führt mitten durch die City, es geht kaum
Wind zur Abkühlung und gestartet wird um 14 Uhr! Respekt.
Am Abend gehe ich dann selber laufen und umrunde 2 Stunden lang den
Stadtpark.
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| Montag, 20. August 2007 |
Heute fliege ich auf die
Nachbarinsel Tobago und werde dort ein besonderes Projekt von UNICEF
besuchen.
Verglichen mit dem modernen und wirtschaftsorientierten Trinidad ist
Tobago eine Insel der Stille mit wunderschöner und größtenteils
unberührter Natur.
Um die Insel führt eine Strasse und diese windet sich entlang einer
Hügelkette vorbei an schmalen Buchten und traumhaften Stränden. Nachdem
mein Flugzeug nach nur 20 Minuten Flugzeit in Crown Point gelandet ist
mache ich mich auf den Weg in die kleine Stadt Speyside.
Speyside war früher ein kleines Fischerdorf und lebt heute natürlich
auch vom Tourismus.
Hier treffe ich mich mit Cesar Vilar |
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Cesar ist ein charismatischer Mann
und die Jugendlichen sind begeistert von ihm. Der Rechtsanwalt mit dem
Spezialgebiet Kinderrechte und Jugendschutz ist bereits seit 9 Jahren
für UNICEF tätig und nun dabei auf Tobago ein Pilotprojekt für Kinder
und Jugendliche in kleinen Gemeinden zu implementieren.
Hierbei werden durch Sport und Kulturprogramme sowie die Bildung von
Themengruppen neue Möglichkeiten geschaffen die den jungen Menschen
dabei helfen sich als wichtiger Teil ihrer Gemeinschaft zu sehen.
Als mich Cesar einigen der Jugendlichen vorstellt sind sie zuerst einmal
skeptisch und wissen nicht so recht was ich als Fremder in ihrem Dorf
will. |
| Ich muss mir zuerst meinen Respekt verdienen und dazu an einem
Wettschießen mit der Steinschleuder teilnehmen. Da ich selber meine
halbe Kindheit mit so einem Gerät in der Hosentasche verbracht habe kann
ich’s noch einigermaßen und treffe die kleine Flasche beim 3. Versuch.
Alle applaudieren und somit bin ich in die Gemeinschaft aufgenommen. Die
Kinder nehmen mich mit auf ihren Lieblingshügel und zeigen mir die
wunderschöne Aussicht über die Insel und das Meer.
Nachher setzen wir uns zusammen und
schauen uns Bilder von meiner Reise an. |
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Am Abend sehe ich eine Capoeira
Vorführung. Diese Kampfsportart mit starken tänzerischen Elementen wurde
ursprünglich von den afrikanischstämmigen Sklaven Brasiliens und der
Karibik gegründet. Dadurch, dass die Sklaven nicht offensichtlich
trainieren durften tarnten sie ihre Kampfkunst einfach in einem Tanz.
Daraus entstand das heutige Capoeira.
Durch ihre starke rhythmische Begabung sind die Jugendlichen mit größtem
Einsatz bei der Sache und die Show ist wirklich beeindruckend. |
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| Dienstag, 21. August 2007
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Heute werde ich an einer Schulung
der Jugend durch das Rote Kreuz von Trinidad und Tobago teilnehmen.
Die Teilnehmer werden im richtigen Umgang mit dem Sprechfunkgerät
unterwiesen um im Notfall selber Hilfe organisieren zu können. Gerade in
den abgelegenen Dörfern der Karibischen Inseln ist das enorm wichtig. Im
Falle eines Hurrikans fällt meist das GSM Netz aus und die
Verbindungsstrassen werden oft verschüttet.
Gemeinsam mit den Kindern gehen wir in Gruppen die Regeln des
Sprechfunkverkehrs durch und bald kann jeder eine perfekt Lagemeldung
durchgeben. |
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| Später werden die gelernten
Fertigkeiten im Rahmen eines Geländespiels getestet. Wir teilen uns über
das gesamte Dorf auf und gehen in Gruppen von Haus zu Haus |
Natürlich, statt das Ausmaß einer
etwaigen Naturkatastrophe zu beurteilen fragen wir die Leute gezielt wo
ihrer Meinung nach Verbesserungen in der Dorfgemeinschaft nötig sind und
bei welchen Dingen sie selber gerne mithelfen würden. Durch diese
einzigartige Kombination aus Katastrophenschutzübung und
Bedürfnisanalyse gelingt es die gesamte Dorfgemeinschaft zu involvieren
und jeder übernimmt eine wichtige Aufgabe!
Gegen Abend verabschiede ich mich wieder von meinen neuen Freunden und
mache mich auf den Weg zum Flughafen.
Leider muss ich schon morgen zurück nach Venezuela um meine Reise in
Richtung Kolumbien fortzusetzen.
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| Mittwoch, 22. August 2007 |
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Die Fähre nach Venezuela legt pünktlich ab und
wir haben eine angenehme Passage vor uns. Das Wetter ist herrlich und an
Deck gibt es gratis Getränke. |
Als wir eine kleine Inselgruppe
passieren sehen wir sogar ein waschechtes Schmugglerboot. Der Kahn ist
hoffnungslos überladen und die aus Chinesen bestehende Mannschaft
schwimmt neben dem Boot im Wasser und ist gerade eilig dabei den Namen
des Schiffes abzukratzen und durch einen neuen zu ersetzen.Anscheinend
haben sie nicht mit der einmal wöchentlich verkehrenden Fähre gerechnet.
Auf jeden Fall schickt unser Kapitän einen Funkspruch an die
Küstenwache.
Als wir Guiria erreichen werde ich schon von meinen Freunden vom
Venezuelanischen Zoll erwartet und freundlich begrüßt.
Selbstverständlich erkundigen sie sich ob ich nun auch wieder mit meinem
Motorrad weiterreise und als ich scherzhaft antworte, dass ich es
natürlich illegal verkaufen werde lachen wir alle gemeinsam.
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| Donnerstag, 23. August 2007 |
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Ich verlasse die Halbinsel Paria und steuere über
den breiten Highway entlang der Karibikküste. Die Küstenstrasse führt an
vorbei an traumhaften Buchten und erinnert mich stark an meine Kindheit.
Als kleiner Junge war ich stets begeistert von der Karibik und ihren
Legenden von Piraten und verborgenen Schätzen. Damals konnte ich fast
jeden Ort und jede Insel nennen und war überzeugt davon einmal selber
mit Kompass und Sextant dorthin zu segeln.
Nun, heute bin ich hier mit dem Motorrad. Statt dem Sextant habe ich ein
GPS und auf der Strasse überholt mich lässig der Überlandbus nach
Caracas, doch ich spüre trotzdem noch diesen Hauch von Abenteuer aus
vergangenen Kindheitsträumen. Ein schönes Gefühl! |
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| Freitag, 24. August 2007 |
Heute verlasse ich die Küstenstrasse
und durchquere den Guatopo Nationalpark.
Die Strasse im Landesinneren ist landschaftlich sehr interessant und
außerdem weniger stark befahren als die Hauptverbindungsstrecke nach
Caracas.
Die tägliche Nachmittagsregen bringt natürlich auch jede Menge Nebel und
die dadurch entstehende Stimmung wirkt direkt etwas gespenstisch in der
Abgeschiedenheit der Berge Venezuelas. |
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| Samstag, 25. August 2007 |
Heute werde ich über eine der
spektakulärsten Strassen des Landes fahren. Von der kleinen Stadt
Maracay geht eine 50km lange Bergstrasse an die Küste nach Porto
Columbia. Diese zu Beginn gut ausgebaute Strecke führt durch den Henry
Pitter Nationalpark und windet sich dann einspurig über die Cordillera
de la Costa.
Bei Regen ist jedoch Vorsicht geboten denn in Venezuela sind die nassen
Strassen keinesfalls zu unterschätzen.
Dadurch, dass Benzin und Motoröl fast nichts kosten und die meisten
Leute alte Autos mit kaputten Dichtungen fahren sind sämtliche Strassen
mit einem feinem Benzin/Ölfilm belegt.
Einige Male droht mir die Maschine selbst in fast aufrecht durchfahrenen
Kurven einfach wegzurutschen. |
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Die Artenvielfalt der Vegetation des
Nationalparks reicht von trockenem Buschland an der Küste über
immergrünen Regenwald in den Tälern bis hinauf zum Cloudforrest an den
steilen Berghängen. Es gibt hier fast 600 verschiedene Vogelarten und
die Cordillera stellt die Flugschneise der Zugvögel nach Kanada bzw.
Argentinien dar.
An Küste erreiche ich die kleine Stadt Porto Columbia. Die teilweise gut
erhaltene Kolonialstadt lebt vom Tourismus und ist bekannt für ihre
pastellfarbenen Häuse |
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| Sonntag, 26. August 2007 |
Als ich heute weiter entlang der
Küstenstraße fahre entdecke ich einige wunderschöne Strände und freue
mich über ein kurze Fahrpause.
Es ist nur furchtbar schade, dass die Menschen überall ihren Mist liegen
lassen. Die Strände Venezuelas gehören zu den schönsten der Welt doch
unter den Kokosnuss Palmen findet man heute leider jede Menge Müll! |
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| Montag, 27. August 2007 |
Heute besuche ich in die kleine
Stadt Coro. Coro wurde 1527 als erste Hauptstadt Venezuelas gegründet
und der Bau der befestigten Kathedrale begann 1580. Das historische
Zentrum wurde 1993 von der Unesco zum Weltkulturerbe erklärt und stellt
heute das besterhaltene Stadtzentrum von ganz Lateinamerika dar.
Ich finde eine angenehme Herberge und beschließe einige Tage hier zu
bleiben. |
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| Dienstag, 28. August 2007 |
| Heute werde ich mir die Sanddünen
von Coro ansehen. Am Beginn der kleinen Landbrücke die das Festland mit
der Halbinsel Paraguana verbindet erstreckt sich eine wunderschöne Dünen
Landschaft die mich sehr an die Sahara erinnert. |
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| Mittwoch, 29. August 2007 |
| Heute führe ich einige
Wartungsarbeiten am Motorrad durch und wechsle Öl und Filter. Am Abend
gehe ich laufen in den Dünen und sehe einen wunderschönen
Sonnenuntergang. |
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| Donnerstag, 30. August 2007 |
| ch nütze den heutigen Tag für eine
Rundfahrt auf der Halbinsel Paraguana. Die Gegend ist durch ihren
halbwüstenähnlichen Charakter absolut untypisch für die Karibik und die
Vegetation erinnert etwas an den Süden Korsikas. Auch die ursprünglich
im Romanischen Stil erbaute Wehrkirche von Santa Anna erinnert sehr
stark an die Architektur der bekannten Insel im Mittelmeer. |
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| Freitag, 31. 9. 2007 |
Heute werde ich mit einigen Freunden
aus der Herberge die Sierra San Luis zu Fuß überqueren. Der "Camino de
los Espanoles", ein alter Weg der noch aus der Kolonialzeit stammt,
führt einsam und verschlungen durch den Dschungel und windet sich
schließlich über die Berge.
Etwas abseits des Weges findet man einige lange Höhlensysteme die wir
natürlich begeistert erforschen. Im Vergleich zur tropischen Hitze des
Regenwaldes sind die Höhlen eine angenehme Abwechslung. |
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| Samstag, 1. September und
Sonntag, 2. September 2007 |
| Diese beiden Tage
verbringe ich gemütlich in der Herberge und bereite mich auf die
Weiterreise vor. |
| Montag, 3. September 2007 |
Heute verlasse ich die Küstenregion und fahre
entlang des Lago Maracaibo. Gegen Nachmittag habe ich die trockenen
Ebenen des Tieflandes hinter mir gelassen und komme in die Berge. An den
steilen Hängen der Sierra Nevada de Merida legen die Bauern ihre Felder
auf Terrassen an. Durch das milde Klima findet man diese Form des
Ackerbaus bis auf 3000m Seehöhe und manchmal auch darüber.
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| Dienstag, 4. September 2007 |
| Heute werde ich auf dem Weg nach
Merida den 4000m hohen Pico de Aquila überqueren.Die Passstrasse fährt
sich herrlich. Wie fast überall in Venezuela ist der Asphalt
hervorragend und durch die gute Spritqualität spüre ich keinen allzu
starken Leistungsabfall in der großen Höhe. |
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| Auf 4021m habe ich die Passhöhe erreicht und es
hat angenehme 7 Grad. Ich hole meine Winterbekleidung hervor und genieße
darauf eine angenehme Talfahrt. Durch den teilweise starken Nebel kann
man leider nicht die umliegenden Gipfel sehen.
Einer davon ist Venezuelas höchster Berg, der 5007 Meter hohe Pico
Bolivar.Am Nachmittag komme ich in Merida an und treffe wieder meine
Freunde aus Kanada. Chris und Lori sind schon seit einem Tag hier und
wir werden gemeinsam unsere Reise nach Kolumbien fortsetzen. |
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| Mittwoch, 5. September 2007 |
| Heute schauen wir uns mit den
Motorrädern ein wenig die Umgebung an. Das Massiv der Sierra Nevada de
Merida bildet den Übergang der Kolumbianischen Cordillera Oriental in
den Nordosten nach Venezuela und bietet einem eine wunderschöne
Gebirgslandschaft mit malerischen Bergdörfern. |
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| Donnerstag, 6. September 2007 |
Heute ist es soweit, ich werde 30 und feiere
meinen runden Geburtstag, so wie ich es mir immer gewünscht habe, auf
Weltreise.
Standesgemäß für einen motorisierten Weltumrunder wird der Tag am
Motorrad verbracht. Wir stehen auf um 6 Uhr, ich gehe eine Runde laufen
und dann starten wir unsere Maschinen. Heute werden wir über die Berge
bis an die Kolumbianische Grenze fahren. Das Wetter ist ausgezeichnet
und durch den Sonnenschein sind die Temperaturen selbst auf 3000m noch
angenehm mild. Gegen Abend erreichen wir die kleine Grenzstadt San
Antonio wo wir die Nacht in einem netten Hotel verbringen. Morgen geht
es weiter nach Kolumbien. |
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| Freitag, 7. September 2007
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Heute werden wir die Grenze nach
Kolumbien überqueren. Kolumbien ist eines der abwechslungsreichsten und
interessantesten Länder Süd Amerikas. Es finden sich hier alle Klima und
Vegetationszonen der Welt, das Land wird von drei Kordilleren durchzogen
und unsere Reise wird uns über einige tausend Meter hohe Bergpässe in
dampfend heiße Regenwälder und brodelnde Großstadtmetropolen führen.
Kolumbien ist jedoch auch das Land der Drogenkartelle und der Guerillas.
Momentan werden immer noch rund 40 Prozent! des Landes von
paramilitärischen und zumeist subversiven Kräften wie der FARC(Fuerzas
Armadas Revolucionarias de Colombia) und der ELN(Ejercito de Liberacion
Nacional) kontrolliert. Dadurch, dass die Rebellen durch die Veränderung
der weltpolitischen Großwetterlage ihre Unterstützung durch Russland und
Kuba verloren haben, spezialisieren sie sich nunmehr vermehrt auf
Drogenhandel und Entführungen um ihren bewaffneten Kampf zu finanzieren.
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| Das sind freilich höchst einträgliche Geschäfte,
wenn man bedenkt, dass die Produktion kolumbianischen Kokains in etwa 80
Prozent des Weltmarktes ausmacht und die geschätzten Einnahmen aus
diesem illegalen Großgeschäft jährlich rund 4 Milliarden Euro betragen.
Die Menschen Kolumbiens gehören zu den herzlichsten und
freundlichsten der Welt, wir werden jedoch unsere Augen offen halten und
Überlandfahrten bei Nacht auf jeden Fall unterlassen.
Der Grenzübertritt verläuft schnell und freundlich. Die Soldaten sind so
begeistert von uns und unseren Motorrädern, dass sie uns nicht passieren
lassen ehe wir ein Foto mit ihnen machen. Kolumbien wir kommen! |
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