| Manfred Cyran (www.motorradreisen.cc)
bietet seit Jahren professionell geführte Motorradreisen an. Im Interview mit
NastyNils gibt er Tipps für den Trip nach Spanien.
NN: Guten Morgen Manfred (Es ist jetzt 11 Uhr
vormittags). Du kennst Dich gut aus in der Gegend. Wie oft bist Du hier in der
Gegend.
MC: Insgesamt bin ich im Jahr 2-3 Monate hier in Andalusien.
Wir machen hier im Herbst, im Winter und im Frühjahr Motorradtouren.
NN: Was ist Deiner Meinung nach die beste
Reisezeit?
MC: Von Mitte September bis Ende April. Wenn man einen Badeurlaub mit
einbinden möchte, kann man auch den Mai verwenden. Doch danach wird es eindeutig
zu heiß.
Suchbild: Finden Sie den cafesüchtigen Tourguide Manfred
NN: Die Gegend eignet sich für Motorradfahrer also auch
zum "Überwintern".
MC: Die Costa del Sol, also die Südküste Spaniens, ist im Winter
angenehm warm. An einigen Tagen hat es hier auch im Jänner über 20 Grad, unter
10 Grad hat es hier fast nie. Kühl sind jedoch die Nächte. Motorradtouren
sollten man 10 Uhr bis 18 Uhr einplanen.
NN: Wie sieht die touristische Infrastruktur in der
Nebensaison aus?
MC: Im Prinzip ist alles offen, es ist jedoch nirgends viel los. Wildes
Partyleben gibt es in den Bars hier im Winter nicht. In der Mittagszeit, also
zwischen 13 und 17 Uhr sind kleinere Geschäfte geschlossen. Dies gilt auch für
Werkstätten und Reifenhändler.
NN: Welche Varianten der Anreise stehen zur Verfügung.
MC: Anreise mit dem Motorrad: 3000 km bis nach Malaga auf der Autobahn. Das sind
3500 km. Damit gehen für Anreise und Abreise 7.000 km, viele Urlaubstage,
Quartierkosten, Mautkosten und ein Satz Reifen drauf. Der durchschnittliche
Motorradfahrer braucht dafür jeweils eine Woche für die Anreise und eine Woche
für die Abreise und pro Strecke 800 Euro Reisekosten. Diese Variante ist
natürlich nur im Sommer sinnvoll.
Anreise mit Motorrad kombiniert mit Autozug: Um die
Anreise zu verkürzen kann man Teile der Strecke mit dem Autozug der
ÖBB oder der DB zurücklegen. Auch hier kann man aber nicht von der Haustür bis zur Hoteltür
fahren und so ist die Variante ebenfalls eher nur im Sommer zu empfehlen.
Anreise mit Motorrad kombiniert mit Fähre: Von Genua nach
Tanger (Marokko) von dort zurück nach Cadiz. Leider ist auch diese Variante mit
500-600 Euro / Motorrad sehr kostspielig. Alle anderen Varianten von Genua nach
Barcelona verkürzen die Reisestrecke nur um ca. 800 km und sind nicht besonders
ratsam.
Anreise mit dem eigenen Lieferwagen mit Motorrad im Heck: Die reinen Sprit
und Mautkosten belaufen sich für Hin- und Retour auf 900-1000 Euro. Mit Anhänger
wird es durch die höhere Maut leider noch mal empfindlich teurer. Je nach Härte
des Fahrers gehen aber auch hier für An- und Abreise jeweils 2-3 Tage Reisezeit
drauf. Sobald das Gesamtgewicht vom Gespann über 3,5 Tonnen liegt sind die
Richtlinien für Sattelzugfahrzeuge einzuhalten. Das heißt: 80 km/h auf der
Autobahn, Fahrzeiten einhalten usw. Besonders in Frankreich wird hier massiv
kontrolliert und gestraft.
Anreise mit Flugzeug: Malaga ist mit günstigen Fluglinien sehr einfach zu
erreichen. Air Berlin fliegt mit Zwischenlandung in Mallorca, Swiss fliegt über
Zürich, Iberia über Barcelona. So geht für die Anreise nicht mal ein Tag drauf.
Wenn man den Flug rechtzeitig bucht, kommt man mit 200 Euro für Hin-und Rückflug
durch.
NN: Und das Motorrad?
MC: Hier kommen wir ins Spiel. Wir bringen mit unserem Motorradtransporter
die Motorräder überdacht und für den Kunden extrem komfortabel von diversen
Sammelpunkten in Österreich bis vor die Hoteltür in Spanien. Wir bieten unseren
Kunden Komplettpakete an (Flug, Hotel, Tourbegleitung, Reiseführung und
versicherter Motorradtransport) aber auch einzelne Bausteine (z.B. nur
Motorradtransport).
NN: Wie sehen die Kosten aus?
MC: Eine Woche Tour, Halbpension, Reiseführung kostet ca. 850 Euro, Flug und
Transport bei Tourteilnahme kosten 730 Euro. Eine Verlängerungswoche kostet ca.
750 Euro.
NN: Welche Motorradfahrer sind da mit dabei?
MC: Der durchschnittliche Tourteilnehmer ist 45-55 Jahre alt. Er legt Wert
auf Komfort und möchte sich um die Reiseplanung möglichst wenig kümmern.
Hauptsächlich kommen die Tourenteilnehmer alleine, manche fahren auch zu Zweit.
NN: Welche Motorradtypen sind mit dabei?
MC: Alles mit 2 Rädern und 4 Takten und ab einem Hubraum von 350 ccm.
Gefahren wird bei uns nicht strikt im Gänsemarsch. Wer will, kann mit uns in der
Gruppe fahren, wer nicht will bekommt von uns ausgearbeitet Routentipps und
fährt auf eigene Faust. Ich selbst bin im Falle von Problemen für alle meine
Tourteilnehmer immer am Handy zu erreichen.
NN: Macht es Sinn unten alles auf eigene Faust zu entdecken?
MC: Die bekanntesten Strecken wie hinauf nach Ronda findet man auf jeder
Karte, es gibt aber hunderte Kilometer an feinen Bergstraßen welche schwierig zu
finden sind. Durch unsere langjährige Erfahrung hier, können wir die
Tourenteilnehmer sicherlich an interessante Stellen führen.
NN: Du machst auf mich den Eindruck, als würdest Du Dich
hier auch kulinarisch recht gut auskennen. Wie lauten Deine Tipps?
MC: Klarerweise sind Fischberichte sehr beliebt und werden oft angeboten. An
der Küste in den einfach zu findenden Lokalen sehr teuer, in versteckten Lokalen
im Hinterland wesentlich billiger. Den besten Cafe und die besten Tapas bekommt
man für relativ wenig Geld in den unscheinbarsten Bars der weißen
Bergdörfer Andalusiens. Also nicht vom einfachen Look der Gaststätten in den
Bergdörfern schrecken lassen. Dort findet man das beste Essen!
NN: Wie lange kommst Du mit einer Garnitur Gewand durch? Es
spannt immer mehr
oder?
MC: Natürlich müssen wir für vollste Kundenzufriedenheit alle Restaurants
vorher ausgiebig testen. Mein Schwimmreifen bürgt für Qualität. Ich führe die
Motorradfreaks zum besten Futter Spaniens!
NN: Danke für das Interview. Mahlzeit!
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