Die neue Intermot ludt zur gemütlichen Ausfahrt zur Grünen Hölle. Bei Regen macht sich kot die Unterhose naß.
|
Einladung zur Pressekonferenz zur Intermot in Köln.
Derlei "Präsentationen" werden immer gerne in meinen Kalender
eingetragen. Nicht von mir, von Nils. Das hört sich nach trockener
Pflicht an, da gibt's keine Action, da kann nix passieren - das ist was
für kot!
Also rein in den Billigflieger und ab nach Köln.
Dort war's nicht anders als bei uns. Das Wetter war schlecht. Sehr
schlecht. Ungefähr so wie es beim Übergang vom Herbst zum Winter ist.
Diesmal stand leider kein Chauffeur bereit und ich musste nach mehrmaligem
Auf-und-ab-Laufen am Haupteingang in ein Taxi steigen. Das Startkapital
betrug gleich mal 6 Euro, das zahlt man anscheinend für's Einsteigen.
Beim Fahren raste dann das Taxometer wie die Stoppuhr beim 100 Meter Lauf.
Der Taxifahrer gab unheimlich Stoff und reizte das ESP seines Mercedes bis
ans Limit aus. Resultat nach 10 Minuten Fahrt: 27 Euro. Gerade angekommen
und schon Pleite. Beinahe konnte ich mir das Pay-TV nicht mehr
leisten. |
| |
 |
 |
|
Die klassische "macht's kan
Bledsinn" Ansprache
|
Schnell Schlüssel abziehen und dann zum
Buffet
|
|
|
|
Am nächsten Morgen ging es dann zur Köln Messe, wo uns die
Pressekonferenz erwartete. Die Info dazu könnt ihr bald in den
Business News lesen. Dann folgte der
interessante Teil - die Fahrt zum Nürburgring mit einer Runde auf der
berüchtigten Nordschleife, der grünen Hölle. Ich hatte zwei Sorgen: Das
chronisch schlechte Wetter und die Auswahl der Motorräder bzw. ob ich
auch was Standesgemäßes abbekommen würde.
Wir betraten eine der neuen Hallen der Kölner Messe, geschätzte
100 Meter lang. Am anderen Ende konnte ich links und rechts bereits
zwei Reihen von Motorrädern erkennen, allerdings noch nicht welche. Doch
bald fiel mir auf, dass es sich nicht um ein oder zwei verschiedene
Modelle handelte, sondern ganz im Gegenteil. Kein Modell war zweimal
vertreten. Traum und Albtraum in einem. Ich musste schnell sein,
intelligent handeln. Die Journalisten schwärmten aus, jeder wurde sofort
mit seiner bevorzugten Partnerin intim. Dann ein neuer Schock: Überall
steckte schon der Schlüssel. Was jetzt? Die intelligentesten zogen ihn
sofort ab, ich Depp ging vorher noch zur Pressebeauftragten und fragte
freundlich: Wie funktioniert das mit den Motorrädern? Die Antwort, die
ich schon kannte: Na ja, grundsätzlich einfach den Schlüssel
abziehen. |
| |
 |
|
Jede Menge Leckereien. Vieles bei
schlechtem Wetter leider nicht zu gebrauchen.
|
| |
| Der Stress
stieg ins Unermessliche. Ich musste auch noch geschickt spekulieren. Wird
es aufreissen und trocknen? Dann R1, Superduke, Buell XB12S…Bleibt es,
wie es ist? Dann 950 Supermoto, Z1000, V-Rod. Oder wird es gar schlimmer?
Dann 990 Adventure, K1200GT, V-Strom. Ich musste die goldene Mitte
wählen: Also die KTM 950 Supermoto, eines meiner absoluten
Lieblingseisen. Es war klarerweise die richtige Entscheidung, weil ich
dieses Motorrad schon recht gut kannte und ein großes Vertrauen dazu
aufbauen konnte. Auch bei noch schlechteren Wetterverhältnissen durfte es
also keine Probleme geben. An die Nordschleife dachte ich bei der Auswahl
übrigens überhaupt nicht. Zu 99% würde das eine Heizdeckenrunde werden,
also kein Grund, ein Kampfgerät zu wählen. |
| Es gab
drei Guides: Einer mit einer sehr dicken Harley mit einem Armaturenbrett
wie aus einem S-Klasse Stern, der zweite fuhr gar ein BMW Gespann
(allerdings sehr stinkend und sehr laut, siehe A-loch) und der dritte eine Honda
CB1300S, dem ich mich auch anschloss. Sollte das geringste Übel sein. Wieder die richtige Entscheidung. |
 |
Der Leitwolf fuhr flott, aber nicht
zu flott. Wäre nicht gesund gewesen bei ständig nassen Straßen und
teilweise (besonders gegen Ende, was auch zu einem Abbruch führte)
strömendem Regen. Man musste sich nur damit abfinden, dass jede Kurve
einen Rutscher bedeutete. Beim Beschleunigen und Anbremsen durfte man sich
auch keine Hoffnungen machen. Die Organisatoren haben nach der Ausfahrt
übrigens die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen und Halleluja
gerufen. Wie viele Vater Unser sie zuvor gebetet haben, ist mir nicht
bekannt. Es glich einem Wunder, daß sich niemand hingelegt hat, vor
allem wenn man bedenkt, welche Nudeln da dabei waren. ich sag nur eckige
Kurven.
|
 |
 |
 |
|
Motorradhefte sorgfältig sortiert |
Schatz, bringst du mal den Müll raus? |
| |
| Nach der ersten
Hälfte der Ausfahrt machten wir im legendären Bikertreff "Fahrtwind"
Halt, wo ich die beste Erdbeerschnitte aller Zeiten verzehren durfte.
Das Lokal und die Straßen, die dort hinführen, sind vergleichbar mit der
Kalten Kuchl. Auf der Speisekarte liest man Kühlflüssigkeit (Cola,
Fanta..), Warm-Up (Kaffee, Tee..) oder Tuning-Teile (Suppen, Brote,
Pasta..). S'leiwand.
|
|
|
|
|
Das Cafe unter'm kalten Blechdach
- Fahrtwind.
|
|
|
| Der zweite Teil
der Reise war dann der eher unangenehme. Der Regen
wurde höllisch. Meine Handschuhe waren schon lange durchnässt, die Zehen
blau angelaufene Wasserleichen, dann tropfte es in den Helm und
schliesslich begann auch noch die Unterhose sich mit Regenwasser
vollzusaugen. Der Guide aber machte keine Anstalten, eine Abkürzung zu
nehmen, sondern wollte uns die volle Schönheit dieser Tour genießen
lassen. Franz Farkas intervenierte und wir brachen endlich ab.
Nürburgring: 2km. Am Nürburgring konnten wir uns in einem Lokal direkt
an der Strecke erst einmal mit einem Cocktail, randvoll mit Eiswürfeln,
aufwärmen. Man kann sagen ich fühlte mich leicht unwohl. Wir warteten
noch mindestens eine halbe Stunde auf die 3. Gruppe, die tatsächlich die
komplette Tour gefahren ist. Ganz daneben war dann, dass der Großteil der
Journalisten auch noch die Nordschleife gefahren ist, bei immer noch
wolkenbruchartigem Regen. Ich gab auf und legte mich 1 Stunde lang in die
Badewanne. Es war gut so. Dadurch wurde ich nur krank und nicht schwer
krank. Den erstklassigen Grillabend konnte ich glücklicherweise noch
symptomfrei erleben, bei einigen kühlen Weizenbier und sehr viel Fleisch.
|
|
|
|
|
Bitte zu Tisch. Die beste Grillage aller
Zeiten.
|
|
|
Die Anlage am
Ring besteht nicht aus ein paar Boxen und einer Würstelbude, sie gleicht
eher einem kleinen Dorf. Hotels, Discos, Lokale, Firmengebäude. Hier
könnte man eigentlich einen schönen, motorsportlastigen Urlaub
verbringen. Lobenswert ist das kostenfreie Parken rund um die Strecke.
Am nächsten Tag mussten wir uns mit den Motorrädern auch wieder nach
Köln zurück quälen. Unter den selben meteorologischen Umständen. Erschwert
wurde die Abreise durch die Anreise der RockamRing Fans sowie der
Bandbusse. Guide war diesmal der BMW Gespann Fahrer, der mit seinen
Autoreifen wenig andrückte.
Zurück zu Hause wartete ich auf die Totalinkubation einer schweren
Erkältung. Nach ein
paar Packerln Zucki geht's mir wieder so halbwegs. Muß jetzt auf Entzug.
Wenn die Intermot in Köln genauso perfekt organisiert wird, wie diese
Tour, können wir uns auf ein Spitzenevent freuen. Und da ist dann auch
das Wetter ziemlich egal.
|
| |
 |
|
Bis der letzte Baum gefällt...
|
|
Interessante Links:
|
Text: kot Fotos: kot, ein Fotograf
|
|