Die gemütlichste Anfahrt zur Motorrad-Tour führt über Gleise. Mit den Österreichischen Bundesbahnen gelangt man schnell, günstig und sicher an den
Urlaubsort. Von den ÖBB wurde derGlu schon überzeugt.
|
Die schönsten Motorrad-Routen liegen
nicht immer unbedingt vor der Haustür und der Weg dorthin ist meist nicht
der schönste. Bewältigt man ihn über die Autobahn, braucht man, angekommen
am Urlaubsziel, entweder neue Reifen oder lebt mit einer viereckigen Version
der alten. „Ganz abgesehen davon, dass du dich am Weg wohin auch immer eh
sowieso einbaust. Das ersparst dir mit dem Zug.“, lacht mich Gudrun „Gux“
Czapka, neben dem zweifelhaften Glück eine Freundin von mir zu sein, auch
noch zuständig für Kommunikation bei den ÖBB, aus. Außerdem wies sie mich
darauf hin, dass die Reise mit den ÖBB zwischen Wien und Rom bloß 14 Stunden
dauert. Um einiges weniger, als wenn ich mit dem Motorrad fahre – und he, in
der Zeit schaff ich es locker, mir von jeder Mitreisenden mindestens einen
Korb zu holen.
|
|
Meine Freundin, Frau Gux, hat schon
recht. Entspannter, überhaupt bei schlechtem Wetter, lässt sich der Weg mit
dem Autoreisezug zurücklegen. Etwa im Speisewagen, die Tischnachbarin mit
Wein abfüllend, bis sie mich hübsch findet, ist bestimmt ein netterer
Zeitvertreib, als sich an der Mautstation in der Heckscheibe eines Fiat zu
spiegeln. Gut, schlecht wird mir von beidem, trotzdem, wenn ich die Wahl
habe: ÖBB. Dabei fährt man mit dem Zug ganz legal mit bis zu 160 km/h seinem
Ziel entgegen. Mit dem Motorrad fahre ich ja nie schneller als erlaubt. Aber
wenn ich mich, statt im Liegewagen zu bleiben, am Autoreisezug-Wagen auf
meine Kawasaki setze, dann kann ich auch einmal 160 km/h am Motorrad
erleben. Ohne Brezen und ohne drohenden Führerscheinentzug. Und die
Schaffner seien eh ganz lieb, sagte mir die Gux. Also hoffe ich, dass sie
mich nicht zu fest hauen werden. |
| |
|
|
Die ÖBB adaptierten ihre Wagen der
Autoreisezüge schon vor geraumer Zeit für Motorräder. Derzeit sind 88
Autoreisezug-Wagen in Betrieb. Angeboten werden acht innerösterreichische
und zehn internationale Verbindungen. „Die begehrtesten Routen sind Wien–Feldkirch
und Wien–Florenz“, erklärt Katharina Gürtler, Pressesprecherin
ÖBB-Personenverkehr. Das ist, eine Kollegin von der Gux. Aber es gibt eh
nix, was die Frau Gux über die Frau Gürtler gesagt hätte, was man da nicht
reinschreiben darf. Scheint ein lockereres Arbeitsklima zu sein, als hier
bei 1000ps, wo die Peitsche vom Nils den Arbeitstag bestimmt. |
| |
|
|
Wo waren wir? Ach ja. Florenz.
Wien–Florenz ist somit eine ideale Strecke für den Motorradtransport. So
begehrt, wie die Toskana gerade auch für Motorradtouren ist. Auf den
internationalen Strecken stehen – neben Italien – auch Destinationen in
Deutschland, Kroatien und Slowenien auf dem Fahrplan. Aber wer will schon
mit dem Motorrad nach Deutschland? Die Nord-Kollegen treffen wir ja eh in
Italien, in den Kurven, wenn wir sie innen herbrennen. Also, die anderen
Österreicher. Ich ja nicht. |
| |
|
|
„Die ersten Autoreisezüge“, kommt
Gürtler wieder zur Sache, „wurden im Fahrplan 1962/63 angeboten. Die
befahrene Route war die Verbindung Düsseldorf–Villach“. Seit 1989 bieten die
ÖBB auch den Transport von Motorrädern an. In der Regel betragen die Kosten
für den Transport eines Motorrades die Hälfte jener für ein Auto. Und da
heißt es dann immer, Motorradfahren sei so teuer.
|
 |
|
Über den genauen Preis der individuellen Route gibt die ÖBB gerne Auskunft.
Etwa telefonisch über das CallCenter, das man unter 05/ 1717 zum Ortstarif
erreicht, oder direkt an den Schaltern in den Bahnhöfen der ÖBB.
Reservierungen sind bereits sechs Monate vor Reiseantritt möglich.
|
| |
|
|
„Der Preis inkludiert selbstredend
eine Versicherung des Fahrzeuges im Schadensfall.“, erläutert Katharina
Gürtler, „Aktuell sind rund sieben Prozent der transportierten Fahrzeuge
Motorräder.“ |
| |
|
|
Über zwei Verladekeile und vier
Anschlaggurte sowie Spanngurte befestigt die Verlademannschaft das Motorrad
so, dass nichts passieren kann. Da braucht man sich um gar nix kümmern.
Reiben hingestellt – und fertig. Ich glaube ja, dass sich die ÖBB sich da in
diversen Clubs die besten Bondage-Spezialisten als Lehrmeister genommen
haben. Drum aufpassen. Wer eine Freundin mit dieser Vorliebe hat, sollte sie
während der Verladung fern halten. Außer man hat schon zuvor einen Blick in
den Speisewagen geworfen und eh guten Ersatz erspäht. Wie die Mädels
allerdings im Bedarfsfall zwischen den Mopetten und Autos festgezurrt
werden, weiß ich nicht. Vielleicht geht das auch gar nicht oder ist
bauartabhängig. Die Gux hat mir bei der Frage Watschen angedroht. Bei den
Motorrädern ist das einfacher. Die können alle mit dem Autoreisezug
transportiert werden.
|
 |
 |
 |
|
Augenmerk ist auch auf die Verladezeiten zu legen – natürlich nicht eine
Minute vor der Abfahrt, sondern rechtzeitig vorher – welche spätestens bei
der Buchung bekannt gegeben werden.
|
| |
|
Fotos: ÖBB/Peuker
http://autoreisezug.oebb.at |
|
| |
|
| |
|
|