Enduro im Winter? In Österreich nur was für hartgesottene, in Schweden ganz normal.
Zu Besuch bei der schwedischen
Enduro Meisterschaft
Ready to Win - Joakim Ljunggren auf seiner Husaberg FE 450.
Für gewöhnlich wird man von den Motorradherstellern eigentlich nur zu Präsentationen ihrer neuen Modelle geladen. Deshalb war die Verwunderung über die im Jänner ins Haus flatternde Husaberg Einladung doch etwas groß. Hatten die Schweden nun etwa das geniale Konzept auch in einen 250er Motor verpackt, oder wurde der brachiale Dampfhammer FS 650 neu aufgelegt? Weder noch, Husaberg lud ein Pack Journalisten zum ersten Lauf der schwedischen Enduromeisterschaft in Ostersund, um sie
in die Heimat der 1988 gegründeten Marke zu führen.
Die anfängliche Euphorie über die Einladung war aber nach einem kurzen Wettercheck im Netz beim Teufel. Während in Österreich gerade der Frühling Einkehr hält und hitzige Gemüter bereits im T-Shirt durch die Strassen laufen, pfeifen den Schweden ganz normale -30C° um die Ohren. Wenn das
Zusehen bei diesen Temperaturen schon keine Gaudipartie ist, wie sollten dann erst die Fahrer mit den arktischen Temperaturen zurechtkommen?
In Ostersund angekommen zeigte sich Schweden dann aber doch von seiner milden Seite, leichter Sonnenschein und Temperaturen um -7C°.
Empfangen wurden wir von den Masterminds der Husaberg Entwicklungsabteilung,
Jens Elmwall, der Hauptverantwortliche für das neue Motorenkonzept, und Thomas
Gustavsson, Mitbegründer von Husaberg und selbst mehrmaliger Gewinner der
schwedischen Enduromeisterschaft. Thomas selbst erklärte uns die notwendigen
Abänderungen an Bike und Fahrer, um flott durch die schwedischen Wälder zu
heizen.
Wichtigster Punkt sind die Spikes an den Reifen, die ca. 7mm langen Stahlstifte
krallen sich in den eisigen Boden und verleihen den Bikes ausreichend Grip. Ein
weiterer elementarer Punkt sind die Slide Platten, die an den Stiefeln der
Fahrer montiert sind. Diese Slide Platten sind notwendig, da die Fahrer stets
einen Fuß am Boden nebenher rutschen lassen, um das kippelige Bike
auszugleichen. Ansonsten sind aber für die Teilnahme an einem Schnee Enduro
Rennen keine besonderen Vorkehrungen zu treffen. Die Klasseneinteilung in der
schwedischen Meisterschaft (SEM) ähnelt jener der Weltmeisterschaft, mit dem
Unterschied, dass Motorräder mit mehr als 250ccm Zweitakt und 450ccm Viertakt
auch in der E2 Klasse fahren. Insgesamt wird in 6 verschiedenen Klassen
gefahren:
Keine Randerscheinung - in Schweden rücken die Husaberg Verkaufszahlen schon
sehr knapp an die von KTM.
Die Königsklasse E2 ist seit 4 Jahren fest in der Hand des Husaberg Factory
Riders Joakim Ljunggren. Jocke ist mit seinen 24 Jahren auch international kein
unbeschriebenes Blatt. 2006 und 2007 gewann der sympathische Schwede die Enduro
Junioren WM, stieg im nächsten Jahr in die E2 Klasse auf und belegte dann dort
den 6ten Platz. Im letzten Jahr beanspruchte der FE 450 Fahrer bereits den 3.
Platz für sich. Und zum Drüberstreuen holte er sich im Winter bei der Indoor
Enduro WM auch noch den dritten Gesamtrang. Kein Wunder also, dass der Husaberg
Fahrer mit seiner FE 450 als klarer Favorit in den ersten Lauf der schwedischen
Enduro Meisterschaft geht. Allerdings ist die Konkurrenz aus dem eigenen Land
auch nicht von schlechten Eltern. So musste sich Jocke mit seinem ehemaligen
Husaberg Teamkollegen und Enduro Weltmeister Björne Carlsson oder dem 8-fachen
Weltmeister Anders Eriksson messen.In Summe gehen weit über 500 Fahrer an den
Start der SEM, die insgesamt sechs Läufe umfasst. Das Rennen in Ostersund ist
aber das einzige, das auf einer reinen Schneefahrbahn ausgetragen wird. Unter
die 500 Starter gesellte sich auch ein Gaststarter aus Italien. Edoardo D
Ambrosio wurde vom schwedischen Husaberg Factory Team für einen Gaststart
geladen und bestritt in Östersund sein erstes Rennen auf Schnee.
Joakim "Jocke" Ljunggren
Video vom ersten Lauf der SEM
Der Ablauf des Meisterschaftslaufes ähnelt dem eines WM Laufes. Es werden 4
verschiedene Sonderprüfungen gefahren. Zwei Enduro Prüfung, die durch mehrere
Waldstücke führen, ein Extrem Test, der mit künstlichen Hindernissen gespickt
ist und eine Sonderprüfung, die auf Teilen einer Rennstrecke ausgetragen wird.
Jede dieser Sonderprüfungen muss insgesamt vier mal gefahren werden, mit den
dazugehörigen Verbindungsetappen ergibt sich somit eine reine Fahrzeit von über
4 Stunden.
Der als Favorit ins Rennen gehende Joakim Ljunggren konnte, obwohl er als erster
Fahrer erst die verschneite Spur "freiputzen" musste, schon von der ersten Sonderprüfung weg seine Dominanz behaupten. Auch während des Fahrens
leistete sich der 24-jährige keine größeren Schnitzer und so wuchs der Vorsprung auf
den Zweitplatzierten Björne Carlsson auf knapp 7 Minuten an. Letztlich kostete
ein Fahrfehler, der Jocke über die Front des Motorrad absteigen ließ, kurz vor
dem Ziel einige Sekunden, aber nicht den Sieg. Ljunggren gewann den ersten Lauf
der schwedischen Meisterschaft vor Björne Carlsson und Johan Gustafsson.
Gleich nach dem Meisterschaftslauf geht es für den Husaberg Fahrer auf ein zweimonatiges Trainingscamp nach Spanien, um mit seinen Teamkollegen für die
bevorstehende WM zu trainieren.
Mehr Infos zum Fahren im Schnee und den dazu notwendigen Änderungen an Motorrad und
Fahrer, gibt's in den nächsten Tagen auf 1000PS.