BMW und Husaberg brachten im letzten Jahr neue Enduro Modelle auf den Markt.
1000PS gibt Auskunft, wie sich die beiden in der Enduro Szene etablieren konnten.
BMW G 450X / Husaberg FE
450/570
2008 wurden die BMW G 450X sowie die Husaberg Modelle FE 450 und FE 570
unter tosendem Trommelwirbel der Öffentlichkeit vorgestellt.
Beide Hersteller sparten nicht mit Superlative, BMW wollte nach eigenen
Angaben sogar die Enduro WM gewinnen. Jetzt ein gutes halbes Jahr nach
Markteinführung, blickt 1000PS auf die Ergebnislisten der Enduro WM
sowie nationaler Rennserien, und spricht mit den Pro's wie es ihnen auf
Ihren Arbeitsgeräten ergeht.
Neuland für beide Hersteller - zwar konnten die Schweden bereits einiges
an Erfahrung im Enduro Bereich vorweisen können, das neue
Motorenkonzept stellte die Entwickler vor komplett neue Aufgaben. Noch
etwas schwerer hatten es die Bayern, die GS Modelle bezeichnen sich zwar
auch als Enduro, mit einer Renn Enduro haben sie aber so viel gemein wie
das Hofbräuhaus mit einer Würstelbude. BMW musste somit sehr viel Zeit
in die Entwicklung investieren, um ein konkurrenzfähiges Fahrzeug zu
präsentieren. Bei dieser Aufgabe setzte BMW auf die Erfahrung Ihrer
Werksfahrer. Lettenbichler, Kirssi und Forster testeten die 450X bei
zahlreichen Enduroläufen, und gaben den Ingenieuren ausreichend
Feedback, um ein gut funktionierendes und konkurrenzfähiges Motorrad zu
entwickeln.
Enduro WM
Bei BMW hat man keine Kosten gespart, und die Weltelite ins
Werksteam geholt. Der zweifache Enduro Weltmeister und Erzberg
Sieger David Knight, sowie der siebenfache Enduro Weltmeister Juha
Salminen gehen 2009 für BMW an den Start. Bei Husaberg hingegen setzte
man eher auf junge Fahrer, dementsprechend bescheiden waren somit auch
die Aussichten auf die WM Krone.
Nach drei WM Wochenenden steht die Welt aber Kopf. Die ehemaligen
Weltmeister kommen den Erwartungen ihres Teams nicht nach, in der
Wertung steht Juha Salminen in der E2 Klasse auf dem 6 Platz. Noch
schlechter siehts beim Teamkollegen aus, der "Knighter" muss sich zur
Zeit mit dem zehnten Platz in der Klasse E3 begnügen.
Um einiges besser sieht die Lage bei Husaberg aus, der 23jährige Joakim
Ljunggren durfte schon einige Male Podiumsluft schnuppern und steht
aktuell auf dem 2 Platz. In der Junioren WM dominiert der Spanier Oriol
Mena, und steht mit 20 Punkten Vorsprung vor dem Zweitplatzierten.
Das schwache Abschneiden von BMW in der WM überrascht ein wenig. Denn
bei sämtlichen Tests vor der WM-Saison und auch bei den Einsätzen in
nationalen Rennserien begeisterte die BMW. Möglicherweise sind die
innovativen technischen Lösungen an der BMW sehr gut, solange man den
Enduro-Olymp noch nicht ganz erklommen hat. Das mag für
Otto-Normalkäufer zwar keine Relevanz haben, er wird niemals in der
Enduro-WM bestehen müssen - peinlich für BMW ist es angesichts des
großen finanziellen Aufwands trotzdem. Mal sehen was die ehrgeizige
Bayern für den Rest der Saison noch nachlegen können.
Austrian Cross
Country Campionship
Auch in der österreichischen Enduro Szene hat sich dieses Jahr einiges
getan. Das tief orange Fahrerlager wurde Zusehens bunter, auch die
Top Fahrer brachen zu neuen Ufern auf. Der ACC Dominator der letzten
Jahre Rudi Pöschl, verteidigt dieses Jahr seinen Titel auf einer G 450X.
Auch Husaberg hat einige Top Fahrer bei der größten österreichischen
Rennserie am Start. Nach einem zweijährigen Exkurs auf KTM wechselte der
12-fache Trialstaatsmeister wieder auf die ihm ebenbürtige FE 570
Husaberg.
In den bisherigen Läufen belegte Rudi Pöschl mit der BMW zweimal den
dritten Platz. Anhand der starken Konkurrenz in diesem Jahr, ist
anzunehmen das der Tiroler mit der 450X gut zurechtkommt. Die Husaberg
Piloten Brandauer und Günther waren in den zwei bisherigen Läufen immer
in den Top Ten zu finden. Hierbei ist jedoch anzumerken, dass die
bisherigen Strecken eher schnell und Motocross lastig waren,
Gegebenheiten die den beiden Husaberg Piloten mit Liebe zu kniffligen
Passagen nicht sehr zusagen.
German Cross
Country Campionship
In der Enduroserie unser deutsche Freunde, der GCC, ging BMW auf
Nummer sicher und schickt mit Simo Kirssi einen siegverwöhnten
Werksfahrer in die Serie. Nach zwei Veranstaltungen steht BMW in der
Pro Klasse auf dem ersten Platz, Husaberg ist in der Pro Klasse nur mit
einem Fahrer vertreten, dieser hält sich zur Zeit im Mittelfeld. Anfang dieses Jahres veröffentlichte Baboons, der Veranstalter der
XCC Serien (ACC, GCC) eine Markenstatistik. Aus dieser geht hervor
dass von den rund 1600 Startern, 80 Fahrer auf einer Husaberg unterwegs
sind, und 27 Fahrer auf BMW an der XCC teilnehmen. In Österreich
bestreiten 25 Husaberg Fahrer sowie 3 BMW Fahrer die ACC.
RedBull
Romaniacs
Eine der härtesten Enduro Rallys der Welt findet alljährlich im Herbst
rund um Sbiu in Rumänien statt. Sowohl BMW als auch Husaberg hatte
zu diesem Zeitpunkt ihre Motorräder am Markt gerade eingeführt. Die
Teilnahme an dieser Rally war somit für beide Hersteller obligatorisch.
Gerhard Forster holte für BMW damals den zweiten Platz, der Husaberg
Fahrer Shane Cuthbertson beendete die RedBull Romaniacs als neunter.
Der Husaberg Pilot Thomas "Fuxi" Günther ist es gewohnt mit
echten Männergeräten zu hantieren. Im zivilen Leben hat er ein
Baggerunternehmen. In der ACC und GCC sammelt er Pokale ohne Ende. Er
fährt seit 10 Jahren Husaberg und ist begeistert von der Marke. Hat denn
die neue Husaberg keine Schwächen? "Ich hatte damit noch keinen
technischen Ausfall und bin immer gut unterwegs. Man muss nun nur etwas
sauberer und vorsichter arbeiten. Die Steckverbindungen bei der
Einspritzanlage sind sensibel, rauhe Umgangsformen im Fahrerlager sind
fehl am Platz."
BMW zeigt Flagge: Im Moment sieht man noch wenige BMWs im
Fahrerlager. In Österreich sollte der Vorjahressieger Rudi Pöschl um den
Sieg mitfahren, nun fällt er mit einer Bandscheibenverletzung aus. Im
Fahrerlager ist BMW trotzdem mit dabei. BMW Wien zum Beispiel war mit
einer BMW G 450 X vor Ort und knüpfte erste Kontakte in die
Offroad-Welt. Der Mann an der Front ist Realist: "Wir haben es als
Neueinsteiger nicht leicht, auch wenn das Produkt sehr innovativ ist.
Unser großer und recht imposanter Laden ist für die Endurofreaks
möglicherweise auch etwas abschreckend. Aber ich darf alle Interessenten
beruhigen - mittlerweile tragen die BMW Motorrad Verkäufer keine
Krawatte mehr."
Zwei Motorräder, zwei
Konzepte
Die Zielsetzung der Husaberg Ingenieure lautete trotz der großen Kubatur
ein ultra handliches Motorrad zu bauen. Das Geheimnis der Berg liegt
in der Platzierung der Kurbelwelle. Die Ingenieure setzten die
Kurbelwelle möglichst nahe zum Schwerpunkt des Motorrades, somit hatte
die drehende Masse der Kurbelwelle weniger Einfluss auf
Richtungsänderungen des Motorrades, was sich im Handling deutlich
bemerkbar machte. Im Fahrbetrieb ähneln die Handlingeigenschaften der FE
570 jenen einer 250 Viertakt. Da man die Kurbelwelle "nur" versetzte,
und keiner Abspeckung unterzogen wurde, behält die Husaberg eine
einzigartigen Drehmomentverlauf. Wie ein Traktor tuckert sie mit
Standgas über jeden Hang und jedes Hindernis.
1000PS scheut keine Kosten und Mühen um euch die Materie so nach wie
Möglich zu bringen. Zu diesem Zweck war ein Video im vollen Einsatz
beider Bikes geplant. Da kühne furchtlose Pros zu teuer waren, wurde
arlo aufs Bike gesetzt. Ergebnis war Drehabbruch nach 15min. und Kreuz-
sowie Seitenbandriss von arlo.
Videodreh: obi wan kenTobi Schnitt: arlo
Thomas Günther im Interview mit Nasty Nils.
Videodreh: NastyNils Schnitt: KarolettaLambretta
Die Bayern legten bei der 450X viel Wert auf gute Traktion sowie
einen spritzigen Motor. Viel Hirnschmalz floss in die Entwicklung
der Schwinge. Um Möglichst viel Traktion zu erreichen wurde die Schwinge
relativ lang gebaut. Weiters wurde die Schwingenlagerung direkt am
Achsmittelpunkt des Ritzels platziert, durch diese Maßnahme bleibt die
Kette ständig gleich straff ohne negative Einflüsse in punkto Federung
verbuchen zu müssen. Ein weiteres Highlight der BMW liegt im Motor. Um
das Gewicht der 450X so gering wie Möglich zu halten wurde die Kupplung
direkt an die Kurbelwelle gebaut. Somit sinkt das zu übertragende
Drehmoment, und die Kupplung konnte sehr klein dimensioniert werden.
NastyNils, der altersschwache Bürohengst, war ebenfalls mit beiden
Geräten unterwegs und konnte die Einschätzung der Prospekte
weitgehend teilen. Die Husaberg FE 570 ist zwar ein mächtiges Gerät,
verliert durch das spielerische Handling und die ausgesprochen gut
gelungene Motorabstimmung viel an Schrecken. Diese beiden Punkte sind
auch die größten Vorteile von der Edelenduro aus dem KTM-Konzern. Nicht
ganz teilen können wir in der 1000PS Redaktion die Einschätzung "Man
braucht keinen Kickstarter mehr, der E-Starter reicht vollkommen". Wir
schafften es trotz aller anderslautenden Meinungen die Batterie der
Husaberg im Gelände leer zu starten und hätten uns dann einen
Kickstarter gewünscht. Etwas Batteriepflege mit dem Ladegerät nach einem
eher zähen Turn könnte jedoch Abhilfe schaffen.
Die BMW G 450 X erfordert trotz der geringeren Motorleistung als die
570er mehr Anstrengung vom Piloten. Der Motor hängt direkter am Gas, die
Motorabstimmung erinnert stark an einen gnadenlosen
Flachschiebervergaser. Gut für Cross-Country Terrain, aber nicht ganz so
einfach für den Rookie im harten Gelände. In Sachen Traktion ist die BMW
für den Rookie aber trotzdem das Maß der Dinge. Der größte Nachteil für
die BMW sind aber weder die bescheidenen WM-Ergebnisse, noch der
gnadenlose Druck vom Motor. Enduropiloten sind Gewohnheitstiere und
haben gerne das Gefühl von Geborgenheit. Die renommierten Offroadmarken
haben ein Händlernetz, welches ihre Sprache spricht und in jedem
Fahrerlager dieses Planeten findet sich ein netter Kollege der bei einem
gebrochenen KTM Kupplungshebel mal aushelfen kann.
Wir freuen uns jedenfalls schon auf die Neuigkeiten für die Saison
2010. Erst gestern landete eine Einladung bei uns im E-Mail Postfach:
"Präsentation der neuen Husaberg Modelle für 2010". Sind das neue
Supermotos? Wird das Enduroprogramm erweitert? Infos demnächst auf
1000PS.