|
|
| karolettaLambretta |
Fiedler GSX-R 750 |
26.03.2008 15:22:00 |
Druck
|
Stahlharte Männer verzichten kühl und willentlich auf Weichmacher wie Dämpfer und Federungskomfort
|
Fiedler GSX-R 750 |
|
Flacheisen-Gixxer im
altgermanischen Fiedler-Rahmen |
 |
|
Dafür darf dann mannigfaltig geflucht werden,
dass sich der Asphalt wellt. Denn genau hier, auf jeder Bodenwelle und
in jedem Schlagloch verbeißen sich die Kieferknochen und Wirbelkörper
ineinander. Kraft Fahrwerk. Denn näher kann Mann der Krümmung des Globus
kaum zu Leibe rücken als mit solch einem Fiedler-Rahmen. Tieffliegen ja,
Watteweich nein. „Für lange Strecken musst Du entweder ein Serien-Krad
hernehmen oder Leidensfähigkeit größeren Ausmaßes beweisen können.“
Markus Schießl aus der Ober-Pfalz trieb seine GSX-R750-Fiedler zur
allerersten Ausfahrt ausgerechnet gerade mal bis zur Hochzeitsfeier
seines Kumpels ins nächste Dorf. „Als Trauzeuge da mit solch einem
rein-weißen Flacheisen aufzulaufen, das war schon ein ultra-coole Show.“ |
 |
 |
 |
 |
Tief sitzen
…und breit greifen. Über den gemeinen
Fiedler-Rahmen findet ein stetiger, reger Meinungsaustausch bis in die
Untiefen diverser Foren statt. Da verteidigt einer aus inbrünstiger
Überzeugung seine Entscheidung für diesen Rahmen gegen den Rest der
oftmals feindlich gesinnten Welt aus besagten Weichspülern,
Kostverächtern und Motivsockenträgern: „...ich möchte auch mal kühl
sein...,
...flach sitzen..., die Füße nach vorne legen...und wenn ich am Kabel
ziehe...geht da immer noch richtig was nach vorne, mit Japanischer
Ingenieurskunst, was richtig vorwärtsmachen tut…“ So oder ähnlich fahren
viele auf diesen Geradeweg-Feder-Rahmen ab. Noch so gerade eben kommt
der dem gesetzlich vorgeschriebenen Gebot der Federung am Hinterrad
entgegen. Nur der legendäre Starr-Rahmen von Harley-Davidson verlangte
seinem Betreiber noch mehr Härte ab. Der Fiedler-Rahmen aus dem
Norddeutschen Raum gibt von jeher einer Reihe von japanischen Aggregaten
exotische Heimstatt, aber er bietet durch seinen Aufbau weder kuschelige
Gemütlichkeit noch angenehme Bodenfreiheit. Anfangs fanden etliche
Yamaha TR1-Triebwerke Einlass ins Stahlwerk, dann die beliebten XS650,
einmalig ein Sechszylinder der Honda CBX und hier eine der weniger
verbauten GSX-R-750-Motoren. „Höchstgeschwindigkeiten sind zwar so nicht
mehr erstrebenswert, aber Fliegenlassen ist eh nicht Maß aller Dinge.
Nur riefentief und imposant lang sollte das Fahrgestell sein.“ |
 |
|
Flow - Jet
Markus fand da in seinem Namensvetter, dem Betreiber von
No-Limit-Fighters in Nabburg, einen handwerklich versierten Kreativen.
Zwar ist der Fritsch Markus eher als Streetfighter-Customizer bekannt,
aber solch langatmige Rahmen haben es dem quer denkenden Bayern
mittlerweile ebenso angetan. Die besondere Challenge an diesem Fahrzeug
bestand schon allein darin, dass es bei Übergabe bereits so verbaut war,
dass der Profi in Sachen Customizing eine Komplett-Sanierung vornehmen
musste. Schmährufe in Internet-Foren höhnen schon mal rum: „Ey ein
Fiedler-Rahmen bleibt ein Fiedler-Rahmen - uglysch und zwar eternal,
dass man mit so was wirklich fahren kann, bezweifle ich zusätzlich im
Höchstmaß, das gibt doch nur `ne Arbeits- und Materialschlacht und wenn
du fertig bist, sind 10 Riesen weg und die Karre ist immer noch voll
daneben…“
Never surrender!
Fritschi hingegen nahm das verunglimpfte Krad mit stoischer Ruhe und dem
Wissen eines Auskenners völlig auseinander und baute es hernach
gründlich neu auf. Das gab dem Neubesitzer auch die Möglichkeit, einige
Komponenten wie den druckvollen Vierzylinder aus Hamamatsu mit Baujahr
1991 in der luft-öl-gekühlten Version anstelle eines üblichen Twins
einbauen zu lassen. Die Idee zur Lackierung im schlanken Martini-Design
kam ebenso von ihm, was der Lacker Andrl aus der Nabburger Umgebung
perfekt umzusetzen wusste. Um vor den Festungen eines Technischen
Überwachungsvereins Bestand haben zu können, greifen die Fiedler-Fans |
 |
|
auch schon mal zu Tricks wie dem Austausch der
marginalen Federung. Manche dagegen schicken ihre Fiedlers auf noch mehr
Tiefgang, indem die lange Feder entgegen dem Original oben, die kurze
dagegen unten montiert wird am Hinterrad-Konstrukt.
Wie gesagt, mit
Reisekomfort kann ein solch arges Fahrzeug eh nicht dienen, deshalb
blieb Fritschi in der vorgegebenen Reihenfolge der Federanordnung. Nun
schiebt aber hier die fette Pelle mit der von Deget auf 9 Zoll
verbreiterten Felge noch ein wenig demonstrativer übers Geläuf. Der
Forums-Motzer aus der Chopper-Zunft meinte dereinst zum Projekt seines
Fiedler-Rahmen-Freundes: „Aber von Vorteil sind die Orgelpfeifen unterm
Rahmen, da wird die Pelle schön vorgeheizt und klebt dann besser am
Asphalt.“ Die elegante Martini-Flunder aus Nabburg hingegen wird
neckisch aufgemotzt und klangvoll vertont per doppelter
Laser-Bassschalmey, die gar lustvoll beinahe ungehemmt und fast direkt
in die Ohren des Low-Riders posaunen. Im Konterpart dazu steht der sich
freien Lüften steil entgegen reckende, offene Luftfilter von Speed
Products, just am schlanken Tank entlang.
Hart aber gereckt
Fritschi modernisierte das Long-Vehicle zudem mit
einem GSX-R-Vorderrad und Billet Sechs-Kolben-Bremsen an
Braking-Wave-Scheiben, geführt an adäquater USD-Gabel, bereichert durch
die selbst erfundenen Gabelbrücken und der modifizierten
Beleuchtungseinheit. |
 |
|
„Okay, mehr als 250 Kilometer am Stück und nicht
mehr als 180 km/h schnell, wenn überhaupt, sollten es nicht sein“, weiß
der stahlharte Besitzer aus seinem bisherigen Erfahrungsschatz zu
berichten. „Breit greifen“ muss er wahrlich, wenn er die unter der
oberen Gabelbrücke montierte, ausschweifende Lenker-Griff-Kombination
umfasst. „Tief sitzen“, dabei weit nach vorn gestreckt, dank der
extremen Position der RST-Fußraster. Fein gemeint im Sinne der enormen
Reckung der Vorderrad-Gabel. Da interessiert nicht die marginale Länge
des Federwegs geschweige denn der nicht vorhandene Komfort. Mehr
Radstand bringt mehr Spannungsmoment in dieses stahlharte Tragwerk.
Mithin biegt sich nur der Körper oben drüber. Um gnädigere Dämpfung
bittet der ganze Kerl nicht, nur um die ganze Wucht des mutwilligen
Gixxer-Fahrens im ellenlangen Fiedler-Rahmen. Schnörkelfrei. Dafür kühl
tief und hammerhart. |
|
 |
|
|
| |
|
Technik - Box |
-
Motor:
Suzuki GSX-R 750 Baujahr 1991, luft-öl-gekühlt, Mikuni-Vergaser,
offener Luftfilter von Speed Products, Auspuff-Krümmer Eigenbau,
Endtöpfe Laser, 4-1, RST-Brems- und Kupplungs-Zylinder
-
Front:
Gabelbrücken, Lenker und Fender Eigenbau No-Limit-Fighters,
GSX-R-Vorderrad, Braking-Wave-Scheiben, 6-Kolben-Billet-Bremsanlage,
Blinker Kellermann, Digi-Beast-Speedometer
-
Rahmen:
Fiedler, 1999, verstärkt, Federung original
-
Bodywork:
No-Limit-Fighters mit Olli, Nabburg
-
Heck:
Fender by No-Limit-Fighters, Felge von Deget auf 9 Zoll
erweitert
-
Räder:
V: 3 ½ x 17 Zoll, H: 9 x 18/240
-
Lackierung:
Martini-Design by Andrl, nahe Nabburg
|
| |
|
Fiedler-Rahmen, Interview
mit dem Hersteller |
| |
| Ab wann fertigten Sie die nach
Ihnen benannten Rahmen? |
| Wir fertigen diese Rahmen seit
1988 |
| |
| Aus welchem Material? |
| Wir verwenden nahtlos gezogenes
Chrom-Molybdän-Stahlrohr, das mit einer Dornbiegemaschine gebogen wird. |
| |
| Für welche Motoren? (Man teilte
mir mit, dass es sogar einen einzigen Rahmen für den Honda
CBX-6-Zylinder-Motor gäbe? |
| Wir fertigen die Rahmen für div.
Harley-Davidson Motoren, Yamaha TR1 und XS 650, Triumph Twins, Honda 750
four und auch CBX 1000, Suzuki Dr. Big, GS und GSX 750, andere Motoren
auf Anfrage. |
| |
| Produzieren Sie noch immer diese
Rahmen, eventuell auch nur auf Auftrag? |
Wir fertigen die Rahmen nur
auftragsbezogen.
|
| Was veranlasste Sie generell,
einen eigenen Rahmen zu konstruieren? Was war das spezielle Ziel
beziehungsweise welche Käufer wollten Sie genau damit erreichen? |
Ich machte mich 1984 mit der
Fertigung von Motorradrahmen für 4-Takt Motocross Rennen selbstständig.
Dazu arbeitete ich einige Zeit bei dem Rahmenbauer "HEOS" im
Münsterland. "HEOS" bedeutet: HEitmann OStbevern. Willi
Heitmann war der einzige, der jemals Deutscher Meister im Solo Cross und
im Gespann-Cross geworden ist. Bei ihm bin ich dann seinerzeit in die
"Lehre" gegangen und konnte in der Zeit viel, auch grundsätzliche
Zusammenhänge von Nachlauf, Lenkwinkel im Zusammenspiel mit
Fahrverhalten und dergleichen, lernen.
Einige Jahre später kam ein Freund mit einem englischen Chopperrahmen
(leider nicht TÜV fähig) zu mir und erkundigte sich, ob ich nicht auch
so etwas bauen könnte.
Das war dann der Anlass für mich, einen Chopperrahmen zu konstruieren.
Auf diese Weise war es dann auch möglich, Wünsche von Kunden wie breite
Reifen, flacher Lenkkopfwinkel u. ä. zu realisieren, was bei den
damaligen Motorrädern kaum bis gar nicht möglich war. Ich konnte damit
also Kunden mit ausgefallenen Wünschen ansprechen und ihnen einen
entsprechenden Rahmen liefern, der zu dem auch noch gute
Fahreigenschaften hat. Auf Grund der eingehenden Aufträge ließ ich dann
ein TÜV Gutachten über die Rahmen beim TÜV Rheinland anfertigen. Seit
dem fertigen wir diese Rahmen auf Bestellung, die erforderliche TÜV
Abnahme findet dann bei uns im Hause statt.
Ich bin selbst auch Motorradfahrer und fahre nun seit 4 Jahren
Motorradrennen in der Classic Szene mit einem selbstgefertigten
Gitterrohrrahmen mit einem alten 1000er Yamaha TR1 Motor bei div.
Veranstaltungen von Art-Motor, VFV, und Grab the Flag recht erfolgreich
( immer im 1 Drittel ). Außerdem machen wir noch Kopien von Rahmen z. B.
für die alten Münch Motorräder für die Fa. Mike Kron ( Classic-Bike-Mike
) Replikas herstellt, Ladepumpen DKW Rahmen von 1935 usw.
|
| Können Sie mir eine ungefähre
Anzahl von gebauten/verkauften Rahmen nennen? |
| Wir haben etwa 250 Chopperrahmen
gefertigt. |
| |
 |
|
Der Erbauer Markus Fritsch in Geiselwind beim
Bike’n’Music-Weekend 2007 |
| |
|
Interessante Links:
|
Text: Sabine Welte
Fotos : Sabine Welte |
|
|
|
|
| 1000ps Data Recording |
Fiedler GSX-R 750 |
|
|
|
|
online seit : 1520 Tagen |
gelesen: 35855 mal |
 |
| |
|
|
|
|
| 1000ps Userbewertung für Bike: SUZUKI GSX-R 750 |
Optischer Eindruck: |
|
Technischer Eindruck: |
|
Gesamteindruck: |
|
| Kaufkraft: |
ein Kauf heuer kommt für 7,32 % der Bewerter in Frage
ein Kauf später kommt für 29,27 % der Bewerter in Frage
|
|
|
|