Die R1200S ist für viele ein Traum, für ebenso viele ein Grauen. macht nichts. Genau das sollte man ja.
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BMW R1200S |
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Vor Jahren noch hätte ich es schwer gehabt, ein
BMW Modell zu finden, daß ich freiwillig in meine Garage stellen würde.
Mittlerweile hat sich einiges getan, sehr vieles sogar.
Angefangen bei dem stärksten Naked Bike, der
K1200R, die mich letzten Sommer vor dem seitlichen Einstieg in die
geschlossene Tür einer Micra Mouse bewahrte, von den unvergleichlich
bequemen Tourer Modellen (Reisedampfer K1200GT jetzt mit 152 PS! Bericht
folgt) bis hin zum kompromisslosen High Performance Gerät HP2, dem ewigen
Bestseller GS oder der bereits viel gelobten F800S. Und jetzt auch noch
das, als hätten sich meine Traumvorstellungen letztendlich doch
materialisiert, taucht die R1200S am Motorradhimmel auf. Born in Heaven,
Raised in Hell, wie uns BMW zu verstehen gibt. Ein kompromisslos sportlich
wirkendes Bike, mit seinen schwarzen Felgen, der Einarmschwinge, dem
kantigen, blockartigen Heck, wie auch der Sitz sehr grobschlächtig
daherkommt, als hätte man das Motorrad mit einem uralten Grafikprogramm
gezeichnet. Dann aber wieder die runde Front, die geschwungenen Krümmer,
der elegante Boxermotor. Ein Kunstwerk, sag ich. Und sicher nicht
jedermanns Sache - zum Glück.
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Das Heck ist ein kantiger Block, die Front wirkt etwas
rundlich. Wegen der Aerodynamik warad's. |
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Die Nachfolgerin der R1100S hat eine nicht zu
übersehende Ganzkörperkur hinter sich.
Um 13 Kilogramm erleichtert bringt sie trocken ‚nur' mehr 195 Kilogramm
auf die Waage, fahrfertig und vollgetankt 213. Und das sieht man nicht
nur, daß spürt man auch.
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Der Strip macht deutlich: Die Neue
ist rank und schlank.
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Alles fit im Schritt
Ein großer Genuß ist schon das Platznehmen. Nicht annähernd so bequem
sitzt man auf irgendeinem anderem Sportmotorrad. Fast schon unglaublich,
was die Sitzbankingenieure hier geleistet haben. An der Entwicklung waren
sicher viele Ärsche beteiligt, bevor man zu diesem Ergebnis kam. Die
Sitzbank läuft nach vorne spitz zu, wodurch sie sehr schmal am Tank
endet, fast schon wie ein Fahrradsitz. Für den Hintern der breite Teil,
für den Schritt und alles was dazugehört, der schmale. Diese
Wespentaille ergibt außerdem einen optimierten Schrittbogen, was nicht
nur der Bequemlichkeit, sondern auch kleineren Fahrern im Stand zu Gute
kommt. Das geht gar nicht anders, das muss die Zukunft der Sitzbänke
sein. Auch die Körperhaltung wirkt völlig entspannt, bei längeren
Touren sollte man keine Probleme haben, wenn die anderen auf ihren
Hypersportlern mit einem Ganzkörperkrampf vom Bock fallen.
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...kein Wunder bei der Wespentaille wird
jede Klosterfrau nervös. |
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Plastic World
Die gesamte Verkleidung besteht aus Plastik, auch der Tank. Links und
rechts läßt sich die Plastikverkleidung an den Ausnehmungen für die
Knie mit denselbigen leicht nach innen drücken, was mich etwas störte.
Nach dem Starten stellt sich ein blecherner
Klang ein, das Motorrad schwenkt bei Gasstößen boxertypisch leicht
nach rechts, als wollte es dir sagen: Fahr mich endlich los. Und da laß
ich mich nicht lange bitten.
122 PS Boxer
Wesentlich zur Leistungssteigerung beigetragen hat die Überarbeitung der
Zylinderköpfe. Die Kraftübertragung erfolgt nun über stärkere Pleuel
aus einer speziellen Stahllegierung. Die Nockenwellen rotieren in 3 Lagen,
statt in 2. Auch Ventilfedern und Kipphebel mussten aufgrund der hohen
Drehzahl von bis zu 8.800 U/min. (!) verstärkt werden. Die neuen Kolben
ermöglichen ein Verdichtungsverhältnis von 12,5:1!
Wie schon bei der K1200R erlebte ich bei der
R1200S die große Ernüchterung nach der Vorfreude auf viel Leistung.
Das geht zunächst mal nicht. Es fährt zwar, aber es geht eben nicht
richtig. Stärkstes Naked Bike, stärkster Boxer? Ich erlebte ein ungutes
Deja Vu, und um diese depressive Phase diesmal schneller zu beenden,
mußte ich mich an die damalige Lösung erinnern. Diese war denkbar
einfach. Den Gasgriff einfach GANZ umdrehen. Einige werden jetzt
meine Zurechnungsfähigkeit bezweifeln, aber in diesem Fall ist das gar
nicht so sonnenklar. Dort, wo man bei anderen Motorräder bereits beim
Vollgas angelangt ist, kann man bei BMW den Gasgriff noch ein bisschen
weiter drehen. Als ich voriges Jahr endlich die K1200R bestieg, ging ich
von brutalster Beschleunigung aus, erlebte aber eher zahmes,
kontrollierbares Schnellerwerden. Bis ich den "Turbo" entdeckte,
welcher eben durch diese letzten paar Grad Drehung ausgelöst wurde. Und
dann ging's richtig ab. Vielleicht eine versteckte Sicherheitsmaßnahme,
oder auch ein Versuch, starke Motorräder im Alltagsgebrauch fahrbarer zu
machen. Um die volle Potenz der R1200S auszukosten empfehle ich hohe
Drehzahlen ab 6000 Touren bis nahe dem roten Bereich und das Gas immer
voll umzulegen.
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Schöne, klare und schnörkellose
Instrumente |
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Nach dem Starten stellt sich ein blecherner
Klang ein, das Motorrad schwenkt bei Gasstößen boxertypisch leicht
nach rechts, als wollte es dir sagen: Fahr mich endlich los. Und da laß
ich mich nicht lange bitten.
Beim Anfahren tat ich mich ein bisschen schwer,
nach dem Umstieg von meiner 4-zylindrigen gab ich anfangs zu wenig Gas,
was den Boxer leicht ins Stottern brachte. Ich merkte schnell: Das Ding
will gedreht werden. Die Drehmomentspitze von 112 Nm wird bei 6.800 Touren
erreicht, bei 8.500 sollte man schön langsam ans Schalten denken. Ist
schon ungewohnt den Boxer so auf Touren zu halten, aber auch ein riesen
Spaß. Nach kurzer Zeit kann man gar nicht mehr anders und dreht gerne bis
zum roten Bereich, allerdings sollte man das Einfahren des Begrenzers
vermeiden. Im Südburgenland wurde dann im Winkelwerk gewütet, was trotz
des gesteigerten Radstandes von 1478 auf 1487 Millimeter ebenso problemlos
wie genussvoll war. Der Lenkkopfwinkel ist hingegen mit 66 Grad um 1 Grad
steiler als bei der 1100s, während der Nachlauf der Vorderrades von 100
auf 87 mm gesunken ist. Und bei jetzt 52° Schräglagenfreiheit ist
ernsthaftes Attackieren auf der Rennstrecke möglich.
Charakterschwein
Viele begründen ihre Abneigung BMWs gegenüber mit der angeblichen
Nüchternheit und Sterilität dieser Motorräder, dabei ist das vor allem
bei den Boxermodellen absolut nicht der Fall. Die R1200S lässt dich jede
Menge Motorrad spüren und wirkt charakterlich viel aufregender als viele
sogenannte Supersportler. Dabei hat man versucht, die unangenehmen
Charakterzüge, wie starke Lastwechsel, starke Vibrationen oder hohes
Gewicht zu minimieren und die angenehmen, wie die Motorleistung, einen
angemessenen Sound und Agilität hervorzuheben.
Der Tank macht das Börserl schlank
Etwas bitter wird es an der Tankstelle, denn der hochgezüchtete Gaul will
verwöhnt werden und schluckt nichts Minderes als SuperPlus Benzin mit 98
Oktan oder höher. Er gibt zwar auch mit 95er nicht den Geist auf, aber
wer will schon mit einem geschwächten Rennpferd durch die Gegend reiten?
Sicher schnell
Schön langsam wage ich zu bezweifeln, ob es mit einer BMW überhaupt
möglich ist, einen Unfall zu bauen. Wenn ich BMW fahre, habe ich immer
das Gefühl, ich bin nicht allein. Ich kann zwar alles selbständig
steuern und kontrollieren, aber ich bin auch nicht verloren, wenn ich es
einmal nicht kann. In schweren Zeiten ist mir das für die R1200S optional
erhältliche ABS helfend zur Seite gestanden. Um der Sportlichkeit keinen
Abbruch zu tun arbeitet es hier allerdings ohne Integral-Funktion und ist
zudem für die Rennstrecke abschaltbar. Die Bremse selbst ist etwas
unklar, der Druckpunkt nicht ganz leicht zu finden, was aber nicht heißt,
daß sie dann nicht umheimlich hart zubeißt und bestens verzögert. |
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Fehlersuchbild: Was stimmt auf beiden
Bildern nicht? Richtig: Die Schräglage. 52° möglich.
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Viele Motorräder sind Mittel zum Zweck, die
R1200S ist der Zweck an und für sich.
Das Motorrad zu erleben ist schon eine aufregende Sache, egal wohin
man fährt. Hier ist noch Vieles drin, was bei anderen Modellen schon
rausgefiltert wurde und trotzdem ist dieses Bike angenehm und sicher zu
fahren. Ein echtes Charakterbike frei von deutscher Nüchternheit.
Vernunft wurde nur dort angewandt, wo sie notwendig und richtig
war.
Ich drehe jetzt noch ein paar Runden und genieße
den Neid der Leute, die irgendwie zu wissen scheinen, daß das nicht ganz
so billig ist. Der Grundpreis beträgt 15.300 Euro, die Liste des
Sonderzubehörs ist lang. Wie gerne würde ich mir das leisten können.
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Das Ende eines versuchten Burnouts. Ich
glaube, hier
raucht der Motor, nicht der Reifen.
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Die R1200S wird in 4 Farben angeboten.
Unauffällig die weiss-silbrige Version, böse die schwarze, auffällig
die gelbe und sportlich die rot-silberne Indianerlackierung, die leider
den satten Aufpreis von 552 Euro verlangt. Schluck.
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Farben
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Weissaluminium metallic matt
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Nachtschwarz
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Titansilber met./Magmarot
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Leuchtgelb-Metallic
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| Technische
Daten |
| Motor |
Luft-/ölgekühlter Zweizylinder-Viertakt-Boxermotor, |
| Hubraum |
1.170 ccm |
| Bohrung x Hub |
101.0 mm x 73.0
mm |
| Leistung |
90 kW bei 8.250
U/Min (122PS) |
| Drehmoment |
112 Nm bei 6.800
U/Min |
| Verdichtung |
12.5 : 1 |
| Getriebe/Antrieb |
6-Gang, Kardan |
| Rahmen |
dreiteiliges Rahmenkonzept |
| Gabel |
Up Side Down |
| Federbein |
Paralever |
| Reifen vo. |
120/70-ZR17
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| Reifen hi. |
190/55-ZR17 |
| Bremsen vo. |
EVO, Doppelscheibe, 320 mm, 4-Kolben |
| Bremsen hi. |
1 Scheibe, 265mm, Doppelkolben |
| Länge |
2.485 mm |
| Breite |
870 mm |
| Höhe |
1.177 mm |
| Sitzhöhe |
830 mm |
| Trockengewicht |
190 kg |
| Topspeed ca. |
>200 km/h |
| Tankinhalt
ca. |
17 Liter |
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